Idas Regal der ausgelesenen Bücher

Rezension | J.K. Rowling: Harry Potter und das verwunschene Kind (2016)

Dumbledore: „Du fragst mich, ausgerechnet mich, wie du einen Jungen in schrecklicher Gefahr schützen kannst? Wir können die Jugend nicht vor Leid schützen. Der Schmerz muss und wird sie treffen.“ (S. 123)

Heute ist der 1. September, der Himmel ist grau und feiner Nieselregen besprenkelt die ersten sich golden färbenden Blätter der Birke vor meinem Fenster. Der 1. September bedeutet für mich zum einen Herbstanfang, aber zum anderen bedeutet er eines: der Hogwarts-Express ist bereit, seine Reise durch grüne Täler hindurch vorbei an tiefen Seen aufzunehmen, um junge, mehr oder weniger lernwillige Zauberer nach Hogwarts zu transportieren.

Heute ist ebenfalls der Tag, an dem Harry Potters Geschichte in unserer Zeit fortgesetzt wird, wo wir sie das letzte Mal vor vielen Jahren beendet haben: 19 Jahre später auf Gleis 9 ¾ des Bahnhofs King’s Cross. Hier setzt Harry Potter und das verwunschene Kind ein und es ist, als hätten wir die Welt rund um Harry, Ron und Hermine nie verlassen. Ich will nicht zu viel verraten, denn dieser Zauber, das Buch selbst zu entdecken, soll jedem noch gegeben sein. Daher ist diese Rezension eher ein Plädoyer an die Harry Potter-Reihe, und an das Aufeinandertreffen meiner früheren Harry-Potter-Lese-eskapaden und meines erneuten Eintauchens in die faszinierende Welt der Zauberei.

Das Buch basiert auf dem von J.K. Rowling, Jack Thorne und John Tiffany produzierten Theaterstück, daher liest es sich auch wie ein Skript mit Regie-anweisungen. Trotz dieser eher ungewöhnlichen Aufbauweise für einen Roman aus dem Potter-Universum ist es sehr gut lesbar und erinnert daran, dass es ursprünglich für ein Theaterstück gedacht war. Für alle armen Seelen (dazu zähle ich auch mich selbst), die damals nicht nach London reisen konnten, um sich das Stück anzusehen, gibt es also seit letztem Jahr dieses Buch, das „Special Rehearsal Edition Script“, und ich bin mehr als glücklich darüber, da mir sonst einiges entgangen wäre.

Man merkt, dass die Geschichte Rowlings Feder entspringt, und es war ein tolles – und irgendwie surreales – Gefühl, die Helden meiner Kindheit erneut auf einem Bahnhof stehen zu sehen, 19 Jahre älter, während man selber ebenfalls gereift und erwachsen geworden ist. Es sind andere Abenteuer, die das ‚Golden Trio‘ auf sich nehmen muss, und sie sind angepasst an ihr Alter und an das der Leserschaft, die mit Harry Potter gemeinsam älter geworden ist. Statt den Howarts-Express zu besteigen, winken sie nun ihren eigenen Kindern hinterher, und die Erinnerung an vergangene Abenteuer scheint bittersüß in der Luft zu liegen.

Das Buch ist seit letztem Jahr erhältlich, und trotzdem habe ich es erst letzte Woche während meines Lesemarathons gelesen. Das sieht einem Potterhead vielleicht nicht ähnlich, einen neuen Harry-Potter-Band einfach ein ganzes Jahr lang im Bücherregal stehen zu haben und es nur anzustarren statt zu lesen. Aber ich wollte dieses Buch mit jeder Faser meines Körpers und Geistes aufsaugen und mir wirklich Zeit dafür nehmen. Ich wollte es an einem Stück lesen und von niemandem unterbrochen oder gestört werden. Ich wollte für wenige Stunden ganz und gar, ohne Ablenkung, zurückkehren nach Hogwarts und so tun, als wäre ich nie weg gewesen. Daher war der Lesemarathon perfekt dafür, genau wie der Ort, an dem ich dieses tolle Buch las: oben auf einem Hügel umgeben von herrlichem Grün, unter einem Baum mit rauschendem Blätterdach und einer Aussicht, wie sie schöner nicht sein könnte – und mit Ruhe, durchbrochen nur vom Zirpen der Grillen.

Für alle Harry-Potter-Liebhaber da draußen: falls ihr euch bis jetzt noch nicht an diesen neuen Harry Potter herangetraut haben solltet: meine Leseempfehlung habt ihr, es lohnt sich absolut!

 


Autor:   J.K. Rowling, John Tiffany & Jack Thorne
Titel:     Harry Potter und das verwunschene Kind
Verlag:  Carlsen Verlag
Jahr der Veröffentlichung: 2016
Seiten:   334


 

4 thoughts on “Rezension | J.K. Rowling: Harry Potter und das verwunschene Kind (2016)

  1. Ich konnte mich zuerst gar nicht so recht an die Skript-Form des Buches gewöhnen und auch die Geschichte hatte mich nicht gefangen genommen, ich nahm es eher als eine Art Hin und Her wahr. Aber nach einer Weile habe ich festgestellt, dass ich mich einfach nur fallen lassen muss, um wieder dieses wunderbare Harry-Potter-Gefühl zu bekommen.

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    1. Hey du! 🙂
      Da hast du recht, es ist eine ziemliche Umstellung auf den Skript-Stil, vorallem wenn man von J.K. anderes gewohnt ist. Aber wie du schon sagst: manchmal muss man sich einfach darauf einlassen, um die Magie ganz erfahren zu können!
      Liebste Grüße,
      Ida

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