Idas Leseprojekte · Im Rausch der Trilogien

Im Rausch der Trilogien | AIDAN – Held oder Monster?

Herzlich Willkommen zurück im Rausch der Trilogien! 

Bestimmt hat euch Gabrielas gestriger Beitrag zur Passage-Trilogie genauso gut gefallen wie mir! Und falls ihr da noch nicht wart, wisst ihr ja, wo ihr die liebe Gabriela findet. [Psst, hier drüben!] Seid ihr bereit für einen neuerlichen Ausflug in den Weltraum? Auf ein weiteres Durchblättern der Illuminae-Akten von Amie Kaufman und Jay Kristoff? Dann schnallt euch an, es könnte gefährlich werden.

Heute möchte ich euch nämlich jemand ganz besonderen vorstellen. Oder sollte ich sagen, etwas ganz besonderes? Denn AIDAN, um den (oder das?) es heute geht, ist einer meiner Lieblingsprotagonisten der Trilogie um die Illuminae-Akten, von denen ich euch am Montag berichtet habe. AIDAN ist kein Mensch. Er ist eine künstliche Intelligenz an Bord eines Weltraumschiffes. Und er ist sowohl für das Überleben als auch für den Tod tausender Menschen während des Weltraumkrieges verantwortlich.



 

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A I D A N ,    D I E    K Ü N S T L I C H E    I N T E L L I G E N Z :
H E L D    O D E R    M O N S T E R ?

“Every story needs its monster. And the monster is me.”
– AIDAN | Obsidio | S. 508

 

Hach ja, AIDAN. Sein Name steht übrigens für Artificial Intelligence Defense Analytics Network. Zu Beginn der Geschichte ist er die künstliche Intelligenz an Bord des Raumschiffes Alexander, und er ist darauf programmiert, sein Schiff und alle, die sich darauf befinden, zu beschützen. Soweit, so gut. Doch dann wird dieses Programm während des Angriffs auf den Eisplaneten Kerenza beschädigt, und merkwürdige Dinge beginnen zu geschehen. Die künstliche Intelligenz (K.I.) entwickelt so etwas wie ein menschliches Gewissen, und fängt an, eigenmächtig zu handeln.

Auf seinen Befehl hin sterben Menschen, aber an anderer Stelle rettet er mit seinem Eingreifen auch wieder unzählige Menschenleben. Er hat immer ein Ziel: Das Leben seiner Crew zu schützen und für das Überleben der Menschheit zu sorgen. Er entscheidet rational. Wiegt ab. Bewertet. Und tötet. Ist er deshalb also ein Monster oder ist er vielleicht sogar ein heimlicher Held?

Die Frage aller Fragen: Was ist überhaupt ein Monster?

Monster bedrohen den Menschen, ihre Existenz allein ist schon eine Gefährdung für alle Sterblichen. Sie töten ohne Gewissen, sie verletzen und verstümmeln ohne ersichtlichen Grund, meist aus reiner Boshaftigkeit oder Gleichgültigkeit. Nachts fürchtet man sich vor dem Monster unter dem Bett, dem Funkeln kleiner, böser Augen im Dunkeln. Aber man fürchtet sich genauso auch vor Menschen, die andere mit ihrem zerstörerischen Verhalten in Gefahr bringen. Sind das auch Monster?

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Die Illuminae-Akten behandeln so viele interessante und abgefahrene Themen und Aspekte, aber besonders das Thema der Künstlichen Intelligenz begegnet einem in jedem der drei Bände. Die Geschichte spielt mit der Angst der Menschen vor einer Machtübernahme der künstlichen Intelligenzen – dabei sind es nicht die Roboter, Maschinen und K.I., die wir fürchten sollten. Sondern die Menschen, die dahinter stecken, diese steuern und ihnen Befehle geben, die die K.I. dann ausführen. Schon immer schien der Mensch sein eigener größter Feind zu sein, und das ist auch hier der Fall. In dieser Hinsicht hat mich AIDAN sehr an Frankensteins Monster erinnert: erschaffen von Menschenhand, aber gefürchtet und ungeliebt vom Meister und mit einer fast schon schmerzlichen Selbstreflexion des eigenen Wesens. Wie schon beim gothic novel hat mich das in den Illuminae-Akten sehr mitgenommen.

“Am I not merciful?”
– Illuminae, S. 307

Es ist unglaublich faszinierend mitanzusehen, wie AIDAN vom gefürchteten, nicht unter Kontrolle zu bringenden und aus eigenem Willen handelnden Bösewicht in K.I.-Form zu einer Instanz wird, die fast schon menschlich ist und die einem tatsächlich im Laufe der Geschichte ans Herz wächst. Ganz oft habe ich über AIDANs Menschlichkeit nachgegrübelt, und dann ist mir etwas aufgefallen: Während AIDAN immer menschlicher zu werden scheint, verlieren die Kämpfer in Krieg immer mehr davon. Sie, die Menschen, werden zu gefühllosen (Tötungs-)Maschinen. Ganze Generationen werden ausgelöscht für das ‘höhere Wohl’. Aber wer darf darüber bestimmen? Und warum sollte überhaupt jemand das Recht haben, über das Leben eines anderen zu bestimmen?

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Besonders im finalen Band wirkt AIDAN wie zerrissen auf mich. Er selbst hinterfragt alle menschlichen Regungen, die er in sich selbst wahrnimmt. Kann eine künstliche Intelligenz lieben? Kann sie trauern? Wüten? Jemandem zürnen? Und trotz allem wird einem wieder in aller schmerzhaften Deutlichkeit klargemacht: AIDAN ist nicht nur mitfühlend, er ist vor allem eine K.I., die selbstständig über das Leben der Menschen entscheidet. Ich denke, es ist so: Er ist sowohl als auch. Er ist Held und Monster zugleich und gleichzeitig weder noch, und das macht ihn unglaublich faszinierend – und zu einer wirklich tragischen Figur.

“What is not alive cannot die. I think, therefore I am. … Am I? I am the ship and the ship is I. If I breathed, I would sigh. I would scream. I would cry. I am AIDAN.”
– Obsidio, S. 572

Aber so ist es (davon bin ich zumindest überzeugt) mit vielem. Die Welt ist nicht nur schwarz und weiß, sie ist bunt und besteht aus tausenden Schattierungen – und keiner von uns ist nur gut oder nur böse. In jedem von uns schlummert sowohl das eine als auch das andere – warum also nicht auch in der künstlichen Intelligenz AIDAN?

Morgen stellt sich Gabriela einer ganz anderen Frage, nämlich der, was eigentlich nach einem Weltuntergang passiert – speziell bezogen auf die Passenger-Trilogie. Ist euer Interesse schon geweckt? Dann schaut morgen unbedingt bei ihr vorbei!

 



 

Im Rausch der Trilogien – Das SciFi/Dystopie-Special:

19.08.19    Ida: Kaufman/Kristoff – Die Illuminae Akten
20.08.19    Gabriela: Justin Cronin – Die Passage-Trilogie
21.08.19    Ida: AIDAN – Held oder Monster?
22.08.19    Gabriela: Weltuntergang – Und was kommt dann?
23.08.19    Ida: Aus dem Nähkästchen geplaudert: 4 Fragen von Gabriela
23.08.19    Gabriela: Von Leser zu Leser – Ein Interview

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3 thoughts on “Im Rausch der Trilogien | AIDAN – Held oder Monster?

  1. Liebste Ida ♥
    Ich liebe diesen Beitrag! Ich kann mir deine eigene Zerrissenheit sehr gut vorstellen, in welche Kaste man diesen “Charakter” denn nun einordnen soll. Allgemein finde ich das Spiel mit einer künstlichen Intelligenz immer super spannend, Wann fängt man an, menschlich zu denken? Was unterscheidet den Menschen von einer wahrhaft rational denkenden Maschine?

    Dein Beitrag macht auf jeden Fall noch einmal mehr Lust auf diese Reihe ♥

    Liked by 1 person

    1. Liebste Gabriela! ❤
      Genau diese Zerrissenheit haben die beiden Autoren wirklich gut wie einen roten Faden durch die Geschichte ziehen lassen – und von Band zu Band hat es sich ganz subtil immer weiter zugespitzt, bis man es selber kaum noch ertragen konnte. AIDAN ist und bleibt meine Lieblingsfigur der Trilogie, komme, was wolle! :'D Dieser Gedanke, wann das Menschliche beginnt und wo es aufhört, ist zwar kein besonders neuer oder moderner, aber ich denke, er wird immer aktuell bleiben.

      Mach dir einen herrlichen Tag ❤

      Liked by 1 person

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