Historische Romane · Idas Regal der ausgelesenen Bücher

Rezension | Die Highlanderin

E V A     F E L L N E R    –     D I E     H I G H L A N D E R I N
– 
Rezensionsexemplar* 

In einer katzenhaften Bewegung sprang die Frau im Büßergewand direkt auf ihn, den Gerichtsdiener, zu. Erschrocken trat er einen Schritt zurück und hielt abwehrend seine Hände mit dem Urteil vor sich. Er zitterte wie Espenlaub und fing an, um sein Leben zu betteln. Aber anstatt ihm ebenfalls ein Körperteil abzuschlagen, packte sie ihn an der Tunika und schrie ihn an: “Der König hat mich zu seinem Feind gemacht. Wenn er mich haben will, muss er mit mir kämpfen. Und wenn er mit mir kämpft, dann muss er gegen ganz Schottland kämpfen. Sag ihm das, du Taugenichts!”

Eva Fellner | Die Highlanderin | S. 320


Mein Blog ist aus dem Dornröschenschlaf erwacht, und welch besseres Buch könnte ich euch zu diesem Anlass vorstellen als “Die Highlanderin” von Eva Fellner, mit einer Kickass-Badass-Protagonistin, die mir den Lesesommer so unendlich versüßt hat!

Denn sie ist eine Highlanderin, wie man sie nicht erwartet: Enja von Caerlaverock mit ihrem weißen Haar und den durchdringenden blauen Augen, unerschrocken, mutig und verdammt gut ausgebildet in allen Fähigkeiten, die ein Assassine besitzen muss. Zumal sie auch nicht in Schottland geboren wurde, sondern in einem fernen Land aus Eis und Schnee, das sie als junges Mädchen als Opfergabe für große Götter erwählte. Doch das Schiff, das sie ihrem tödlichen Schicksal entgegenbringen soll, kentert, und ihre Retter entpuppen sich als Menschenhändler, die sie zu einer jungen Sklavin machen. Ihr turbulenter Weg führt sie weit weg von ihrer eisigen Heimat, quer durch den Orient bis hin zu den schottischen Highlands, die sie nun ihr Zuhause nennt. Kurz: Enja ist mit allen Wassern gewaschen, und scheut sich auch nicht davor, sich mit dem englischen König anzulegen, wenn es um das Wohl ihrer Leute, ihres eigenen Clans, geht.

Der Klappentext vom ersten Band um die Highlanderin verspricht Spannung pur vor landschaftlichen Settings, die ich so nie zusammengebracht hätte: der Orient mit all seiner Opulenz, den schmuddeligen Straßenkindern und goldenen Palästen, trifft auf die schottischen Highlands, wohin es unsere Protagonistin nach ihrer langen Reise verschlägt. Und der Klappentext lässt einen träumen: von einer starken weiblichen Heldin inmitten einer Welt der Männer und ihrer politischen Intrigen – und das ist genau das, womit diese Geschichte aufwartet. Ich für meinen Teil habe mich ja ein bisschen verliebt in die ungestüme Enja, die Kämpferin, Assassine, orientalische Prinzessin und Herrin von Burg Caerlaverock. Mit ihrem schnellen Mundwerk und der Fähigkeit, sich jeder noch so gefährlichen Lage anzupassen, hat sie sich mit jedem neuen Schwertkampf in mein Herz gespielt. Sie ist erbarmungslos, wenn es sein muss, gleichzeitig ist sie aber noch immer eines: eine junge Frau, die die Verantwortung für die Bewohner ihrer Burg und gefühlt von ganz Schottland auf ihren Schultern trägt.

“Die Highlanderin” liest sich wie eine Mischung aus Fantasy und Historischem Roman, vielleicht gerade wegen Enjas geheimnisvoller Vergangenheit. Besonders gut gefallen hat mir die Einarbeitung verschiedener Handlungsstränge. Ganz so, als würde man von Zeit zu Zeit in Enjas Erinnerungen eintauchen und ein neues Kapitel ihres bewegten Lebens kennenlernen, landet man einmal mitten in den orientalischen Slums, oder im Wagen eines alten Medicus, der sie als seine Assistentin aufnimmt. Manches Mal wechselt auch die Perspektive, wodurch man einen guten Eindruck davon erhält, wie Enjas Auftreten auf ihr Umfeld wirkt. Auf diese Weise bekommt die Geschichte um diese ungewöhnliche Highlanderin noch mehr Vielschichtigkeit – und ganz ehrlich, ganz entgegen meiner eigenen Erwartung mochte ich es sehr, so zwischen den Zeiten und Orten hin- und herzuspringen. So eng verwoben Enjas Lebensweg mit Leid, Tod und Verderben sein mag, es war einfach nur spannend, Seite um Seite, Kapitel für Kapitel ein neues Puzzleteil aus Enjas Vergangenheit zu entdecken und zu dem hinzuzufügen, was man schon über sie und ihre Begleiter weiß.

Ich für meinen Teil kann es kaum erwarten, mich bald auf ein Neues in schottische Gefilde zu lesen. Denn im Oktober ist es so weit: der zweite Band der Reihe erscheint und ich bekomme ENDLICH die Möglichkeit, diesen Mords-Cliffhanger am Ende des ersten Bandes zu verarbeiten! Wenn ihr also noch eine Leseempfehlung braucht, hier ist sie. Auch wenn das Cover vielleicht nicht der Heldin der Geschichte entspricht (vielleicht schlägt eine weißhaarige Highlanderin auf dem Titelbild dann doch zu sehr in Richtung Fantasy), dann lasst euch von der mitreißenden Geschichte dahinter überzeugen. Enja hat mich vollends in ihren Bann gezogen, und ihre persönliche Entwicklung im Laufe der Jahre mitansehen zu dürfen, war ganz , ganz großes Kino. In Buchform, versteht sich.

Rating: 4.5 out of 5.


Autor:    Eva Fellner
Titel:      Die Highlanderin
Verlag:   Aufbau Verlag [Aufbau Taschenbuch]
Jahr:      2021
Seiten:    505
[Genre:  Historischer Roman]




*An dieser Stelle vielen herzlichen Dank an die wunderbare Autorin, Eva Fellner, und den Aufbau-Verlag für das mir zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar! 



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