12 Klassiker im Jahr · 2020 · Idas Leseprojekte

12 Klassiker für 2020 | FAZIT

Ein chaotisches Jahr mit teilweise katastrophalen Ereignissen liegt hinter uns, und das neue Jahr ist bereits zwei Wochen alt. Deshalb schaue ich heute zurück auf eines meiner Leseprojekte des vergangenen Jahres. Das dritte Jahr in Folge habe ich mir zu Beginn des Monats 12 Klassiker aus dem Regal gefischt, und sie den einzelnen Monaten zugeordnet. Dieses Mal handelte es sich um 5 Klassiker der deutschen Literatur, und um 7 englischsprachige Klassiker, die ich in ihrer deutschsprachigen Übersetzung besitze. Da sich dieses Jahr einiges geändert hat, dürft ihr auch bei dem diesjährigen Fazit gespannt sein, wie mein Rückblick ausfallen wird. Viel Spaß beim Lesen, Stöbern, und vielleicht auch beim Verlieben in den einen oder anderen Klassiker auf der Liste von 2020.

W e l c h e    K l a s s i k e r    s t a n d e n    2 0 2 0    a u f    d e r    L e s e l i s t e ?

Januar:            Heinrich Heine – Deutschland. Ein Wintermärchen (1844)
Februar:          Ernest Hemingway – Schnee auf dem Kilimandscharo (1961)
März:               Johann Wolfgang von Goethe – Faust (1808)
April:               Jane Austen – Anne Elliot (1818)
Mai:                 Stefan Zweig – Ungeduld des Herzens (1939)
Juni:                 F. Scott Fitzgerald – Zärtlich ist die Nacht (1934)
Juli:                  Siegfried Lenz – Die Klangprobe (1990)
August:           Rudyard Kipling – Das Dschungelbuch (1894)
September:    Emily Brontë – Sturmhöhe (1847)
Oktober:         Truman Capote – Kaltblütig (1965)
November:     Friedrich Schiller – Die Räuber (1781)
Dezember:      Walt Whitman –  Grashalme (1855) (abgebrochen)

W i e    i s t    e s ,    e i n e n    f e s t e n    K l a s s i k e r – L e s e p l a n    z u    h a b e n ?

Tatsächlich empfand ich es dieses Jahr als besonders angenehm, jeden Monat einen fest zugeordneten Klassiker festgelegt zu haben (bis auf den Dezember, aber dazu weiter unten mehr). Das lag bestimmt auch daran, dass ich mich schon im Vorfeld auf die meisten Klassiker wie verrückt gefreut habe, da ich mit einigen der Autoren schon in vergangenen Jahren einen Glücksgriff nach dem anderen hatte. Dazu zählen zum Beispiel F. Scott Fitzgerald, Ernest Hemingway, Stefan Zweig und Siegfried Lenz. Nahezu alle Klassiker auf der Liste konnte ich auch in dem zugeordneten Monat auslesen, nur mit dem rezensieren habe ich zwischendrin so arg hinterhergehinkt, dass die letzte Rezension im Rahmen dieser Reihe erst vor wenigen Tagen veröffentlicht wurde.

H a n d    a u f ‘ s    H e r z :    W u r d e n    K l a s s i k e r    a u s g e l a s s e n    o d e r    a u s g e t a u s c h t ?

Puuuh… genau wie im Klassiker-Jahr 2019 war auch 2020 ein Klassiker dabei, den ich nach nur kurzer Zeit abbrechen musste: “Grashalme” von Walt Whitman. Darüber bin ich selber auch ziemlich traurig, weil ich höchst ungern Bücher abbreche, und ich mich auf den Gedichtband ganz besonders gefreut hatte. Doch dann kam der Dezember, und mir fehlte die Ruhe und Geduld, um mich auf Whitmans Worte ganz und gar einlassen zu können. Beim Durchblättern und Querlesen habe ich das ein oder andere Gedicht gefunden, das mir schon beim ersten Durchlesen wahnsinnig gut gefallen hat, aber die meisten seiner Gedichte sind durchschnittlich um einiges länger als nur ein paar Seiten. Ich glaube, ich habe noch aus meinem Studium die Lesart beibehalten, Gedichte mehrmals zu lesen, um ihren Klang, ihre Wirkung und die Worte zwischen den Zeilen ganz aufnehmen zu können. Deshalb muss Walt Whitman wohl noch ein bisschen länger auf meinem Regal ausharren – bis ich den Zeitpunkt finde, mich seinem Werk mit der gebührenden Aufmerksamkeit zu widmen.

G r ö ß t e    Ü b e r r a s c h u n g

Die größte Überraschung dieses Jahr war neben Rudyard Kiplings “Dschungelbuch” und “Sturmhöhe” von Emily Brontë allerdings “Anne Elliot oder Überredungskunst” von Jane Austen. Die vergangenen Jahre habe ich nie so wirklich einen Zugang zu Jane Austens Werke gefunden. Ich mochte zwar die Verfilmungen, aber mit den Büchern konnte ich so gar nichts anfangen. Und da man sich als Leser ständig verändert, ist es auch nicht verwunderlich, dass sich mit 2020 mit einem Mal die wunderbare Welt der Jane Austen öffnete! Und wer hätte es gedacht, dass es gerade Anne Elliott sein würde, die ruhige, sanftmütige und sensible Anne, die mich durch und durch verzaubern würde. So sehr, dass ich danach schwor, jedes einzelne von Jane Austens Büchern (noch einmal) zu lesen und mich neu zu verlieben – das ist doch ein prima Vorsatz für 2021!

G r ö ß t e    E n t t ä u s c h u n g

Man fühlt sich durchaus ein wenig wie ein Literaturbanause, wenn man nach 12 Monaten des regelmäßigen Klassikerlesens feststellen muss, dass einem aus den ausgesuchten Büchern gerade die klassischen Werke der deutschen Literatur einfach nicht zusagen. Leider war das dieses Jahr gleich zwei Mal der Fall: Gleich im März quälte ich mich durch “Faust Teil 1 und 2” von Johann Wolfgang von Goethe, wobei ich gestehen muss, dass ich nach dem überstandenen ersten Teil ständig laut “HÄ” rufend nur noch durch den 2. Teil blätterte und es irgendwann fluchend aufgab. Das war mir dann doch zu viel Wirrwarr, zu viel Chaos und zu viel gestelzte Sprache. Lag vielleicht aber auch am ersten Lockdown, genau kann man das im Nachhinein nicht mehr sagen.

Im November las ich mich zügig durch das Drama “Die Räuber” von Goethes gutem Kumpel Friedrich Schiller. Die Handlung ging flott voran, war ziemlich brutal und konnte mich nicht so wirklich vom Hocker hauen – dementsprechend enttäuscht war ich von dem Klassiker. Aber auch das mag meiner Sehnsucht nach flauschiger, netter Literatur zuzuschreiben sein, während Schillers Räuber fröhlich morden und fleißig intrigiert wird.

L i e b l i n g s k l a s s i k e r

Obwohl sich einige 5-Sterne-Bücher unter den gelesenen Klassikern befanden, muss ich einfach Rudyard Kiplings “Dschungelbuch” und “Sturmhöhe” von Emily Brontë zu meinen Lieblingsklassikern des Jahres 2020 küren!

“Das Dschungelbuch” ist so schön geschrieben, und ich bin jetzt noch endlos fasziniert davon, wie es Rudyard Kipling schafft, seine Leserschaft nur mit der Kraft seiner Worte in den tiefsten Dschungel zu entführen. Ich hätte es zudem kaum für möglich gehalten, dass ich am Ende das Buch dem Disney-Film vorziehen würde, weil ich mich so sehr in die Protagonisten der Geschichte, das Setting und in Kiplings weise Worte verliebt habe.

“Die Sturmhöhe” war genau nach meinem Geschmack: im Herzen ist die tragische Geschichte ein Gothic Novel, mein liebstes Genre überhaupt, vereint Charaktere von buntester Individualität und bringt das Biest im Menschen zum Vorschein. Es ist düster, verzwickt und kann doch mit einem Happy End aufwarten. Was für ein Buch! Und auch hier bin ich voller Bewunderung für Emily Brontë, eine Frau und Schriftstellerin, die ihrer Zeit weit voraus war.

E r k e n n t n i s s e ,    d i e    i c h    a u s    d e m    P r o j e k t    m i t g e n o m m e n    h a b e :

Nachdem ich Ende 2019 relativ unzufrieden mit der Klassikerbeitragsreihe war, habe ich die Reihe 2020 neu aufgebaut und bin immer noch richtig glücklich mit dem Ergebnis. Die Idee, die Klassikerrezension in die drei Bereiche Inhalt, Kontext und Klassikerpotential aufzuteilen, hat mir sehr dabei geholfen, meine wild wirbelnden Gedanken ein wenig zu strukturieren und dem Ganzen einen schönen Rahmen zu geben. Eben genau das, was ich 2019 noch vermisst hatte. Deshalb werde ich mit diesem Konzept auch ins neue Klassikerprojekt 2021 starten, und ich freu’ mich schon riesig!

Besonders schön finde ich, dass ich 2020 einige meiner Lieblingsautoren aus den vergangenen Jahren wiederentdecken durfte und sogar ein paar Lieblingsautoren unter den 12 Klassikern finden konnte! So viel sei schon mal gesagt: der eine oder andere wird sich auch auf der Liste für die 12 Klassiker für 2021 wiederfinden… es bleibt also spannend! 🙂

Nun seid ihr gefragt: Vielleicht habt ihr trotz des turbulenten Jahres einen oder mehrere Klassiker gelesen und sogar zum Lieblingsbuch gekürt? Womöglich habt ihr auch die Welt der Klassiker für euch entdeckt und könnt es kaum erwarten, noch weiter vorzudringen. Erzählt doch mal! Empfehlungen sind wie immer mehr als willkommen!
❤️
Ein kleines Ratespiel zum Abschluss:
Was glaubt ihr: welche Autoren haben es auf die Liste des Klassiker-Leseprojekts 2021 geschafft?

10 thoughts on “12 Klassiker für 2020 | FAZIT

  1. Hey! Ich weiß total, was du meinst. Kann mit den meisten deutschen Klassikern auch so gar nichts anfangen. Zu Schulzeiten fand ich Woyzeck ganz gut, Irrungen, Wirrungen mochte ich verhältnismäßig gern und Maria Stuart. Alles andere habe ich gar nicht beendet…
    Währenddessen liebe ich The Scarlet Letter, Peter Pan, bisher alles von Jane Austen, Great Expectations, Lord of the Flies, Of Mice and Men, Brave New World, The Giver, ……… Ich wünschte, sowas würde an deutschen Schulen mehr gelesen!

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    1. Hej Lisa!

      Ich finde es ja auch gut, dass die meisten Schulen eine wirklich tolle Übersicht über deutsche Klassiker bieten – aber ich weiß auch noch, dass dahingegen englische Klassiker kaum besprochen wurden. Und das ist wirklich schade! Peter Pan, Lord of the Flies, Brave New World – genau diese Werke gehören zu meinen absoluten Lieblingsklassikern! Wie schön wäre es, ein bisschen mehr darüber in der Schule zu erfahren und zu analysieren, bis sich die wertvollsten Aspekte der Geschichten herauszukristallisieren? :’D Ich glaube, das ist auch ein Grund, warum ich für mein Englisch-Studium so Feuer und Flamme war. Endlich konnte man eintauchen in die Welt der englischsprachigen Klassiker. ❤

      Liebe Grüße,
      Ida

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      1. Ich habe auch Englisch studiert, bzw. Amerikanistik. Aber Lord of the Flies und Brave New World habe ich tatsächlich schon in der Oberstufe gelesen. Aus meinem Bachelor habe ich vor allem 2 Bücher mitgenommen: The Absolutely True Diary of a Part-Time Indian von Sherman Alexie und House on Mango Street von Sandra Cisneros. Keine Klassiker, aber ich liebe die Bücher!

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      2. Wie absolut löblich von deiner Schule – ich bin ehrlich begeistert und frage mich wieder einmal, warum wir nur Shakespeares Werke oberflächlich angekratzt haben…
        “House on Mango Street” sagt mir tatsächlich etwas, ich werde mir gleich mal beide Bücher rausschreiben und ein bisschen recherchieren. Danke dir für den Tipp!

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  2. Liebste Ida ♥
    Ich freu mich, dass du dein Klassikerjahr doch recht glücklich und zufrieden abschließen konntest =) Und noch mehr, Dass meine geliebte Jane deine Überraschung des Jahres wurde. Demnach könnte ich mir vorstellen, dass du sie für 2021 auch wieder auf die Liste gesetzt hast, oder? ODER? Jaaaa ganz bestimmt. Im übrigen hab ich an Faust eher durchwachsene Gefühle aus dem Unterricht zurückbehalten. Dabei hat ihn unser Lehrer so gut angekündigt, denn er sagte: Als nächstes geht es um Sex, Drugs, und RpcknRoll! – Ich höre es heute noch xD

    Fühl dich feste gedrückt ♥

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    1. Meine liebste Gabriela! ❤

      Du liegst natürlich ganz richtig – nachdem Jane DIE Entdeckung des Jahres 2020 war, wäre es ganz und gar ungehörig, sie nicht auf die Liste für dieses Jahr zu packen! 😀 ❤

      Ha, das ist ja mal eine prima Einführung zu Goethes Faust! Aber auch ein bisschen gemein – da kann man vom Werk letztendlich ja nur enttäuscht sein! xD

      Alles Liebe für dich! ❤

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  3. Hi Ida,

    meine Klassiker-Planung ging 2020 ziemlich daneben. Irgendwie war mir nur nach leichter Lektüre, was angesichts der Ereignisse vllt auch verständlich ist. Daher habe ich nur “Die Pest” von Albert Camus (immerhin thematisch sehr passend) und “Der Sandmann” von E.T.A. Hoffmann gelesen. Beides gefiel mir aber gut.

    Dieses Jahr möchte ich wieder versuchen, etwas mehr Klassiker zu lesen. Mal sehen, wie gut das klappt. Unter anderem will ich mich auch endlich an “Die Räuber” wagen. Ich bin gespannt, ob ich es ähnlich sehen werde wie du. 🙂

    Von deinen gelesenen Klassikern kenne ich nur “Faust”. Den ersten Teil mochte ich gerne, aber der zweite war wirklich eine Katastrophe, die ich nach wenigen Abschnitten abgebrochen hatte.

    Hast du deine Planung für 2021 schon aufgestellt? 🙂

    Liebe Grüße
    Alica

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    1. Hej Alica!

      ach Mensch, das kann ich nur zu gut verstehen! Es ist wirklich nicht verwunderlich, wenn man in solchen Zeiten einfach nur nach Literatur sucht, die einen auffängt und so weich ist wie eine Wattewolke. Das ist völlig ok. Ich selber höre auch seit einem Jahr wieder ununterbrochen die Harry Potter- Hörbücher; mein kleines persönliches Auffangnetz, sozusagen.

      Meine Klassikerliste für dieses Jahr werde ich morgen früh veröffentlichen, und ich freu’ mich schon richtig auf jeden einzelnen Titel, der es auf die Liste geschafft hat. 🙂 Camus ist da übrigens auch vertreten – das ist dann das erste seine Werke, das ich lesen werde. E.T.A. Hoffmanns “Der Sandmann” muss ich irgendwann auch noch mal lesen – und danach direkt die Version von Neil Gaiman. 😉

      Falls du es dieses Jahr schaffst, dich an “Die Räuber” zu wagen, dann wünsche ich dir viel Spaß beim Lesen – und bin richtig gespannt auf deine Meinung dazu (gerade, was den Schluss angeht). 😀

      Liebste Grüße,
      Ida

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      1. Die Version des Sandmanns von Neil Gaiman möchte ich auch gerne noch lesen. Sollte ich vielleicht machen, solange das Original noch im Kopf ist. 😀
        Auf deine Meinung zu Albert Camus bin ich schon gespannt. Ich fand “Die Pest” wirklich gut, auch wenn es in der aktuellen Zeit nicht gerade aufbauend wirkte. 😀

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      2. Gute Idee! 😀
        Das kann ich mir gut vorstellen! Zu Beginn der Pandemie hab ich auch ein Buch gelesen, in dem ein Virus auf besonders tödliche und grausame Weise um sich greift – und es war nicht unbedingt das beste für mein mindset, obwohl das Buch gut war! 😀
        Ich hoffe echt, dass mir “Der Fremde” von Camus gefällt! Immerhin hab ich schon viel Gutes darüber gehört, deshalb bin ich einigermaßen positiv gestimmt. 🙂

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