Idas Teekränzchen · Plauderecke

Idas Teekränzchen #52 | So still hier…

… ist’s geworden, auf meinem heiß geliebten Blog! Wochenlang keine Beiträge, kaum beantwortete Kommentare, ganz wie ein lange unberührtes Blatt Papier, auf dem alte Tinte verblasst. Was ist da nur passiert, habe ich mich selbst ganz oft gefragt. Die Antwort auf diese Frage ist eigentlich recht einfach: das Leben ist passiert, wie so oft.

Als ich im April 2017 mit der Rezension zu ‘The Picture of Dorian Gray’ von Oscar Wilde meinen ersten Beitrag auf diesem Blog veröffentlichte, steckte ich noch mittendrin in meinem Studium zur Germanistik und Anglistik. Ich hatte neben der Uni und meinem Nebenjob viel Zeit und entdeckte durch einen wahren Glücksfall (und, sind wir mal ehrlich, durch pure Langeweile) das Bloggen. Es war eine ganz neue Welt, und ich stürzte mich Hals über Kopf in dieses Paradies aus Bildern und Worten und neuen Perspektiven zu Werken, die ich noch nicht kannte und solchen, die ich schon in mein Herz geschlossen hatte. Ich wollte das auch! Ich wollte mich genau wie in meinem Studium in Büchern verlieren und anderen von meiner Reise dorthin berichten. Sie anstecken mit der Begeisterung für die Werke, die mich mitrissen und die mich innerlich wachsen ließen. Ich brannte auf den Austausch mit anderen, las begierig Blogbeiträge von anderen Bloggerinnen und Bloggern. So verliebte ich mich ganz neu ins Lesen, und meine Zeit an der Uni tat ihr Übriges, um diese Leidenschaft noch weiter zu schüren. Der Blog blühte auf, und mit jedem neuen Beitrag gedieh er wie eine Pflanze, der man ordentlich Wasser, Liebe und Dünger verabreicht.

Und nun? Mein Studium habe ich schon vor einer Weile erfolgreich abgeschlossen, doch diese Sehnsucht nach fremden Welten aus Tinte und Papier und dem Herzblut des Geschichtenerzählers aus meiner Anfangszeit als Literatur-Bloggerin blieb – bis heute. Seit ich Idas Bookshelf ins Leben gerufen habe, hat sich viel verändert, und das ist gut so! Ich habe meinen Studienabschluss in der Tasche, eine schöne Arbeitsstelle in einem Buchladen, lebe mit meinem Verlobten in einer absolut traumhaften Gegend und horte fleißig weiter Bücher. Das klingt wie im Bilderbuch, wenn man nur die Highlights betrachtet. Hinter mir liegen Talfahrten durch die dunkelste Zeit meines Lebens, gleichzeitig blicke ich aber auch zurück auf goldene Momente voller Sonnenschein, Liebe und Geborgenheit. Wie ein Mischwald in der Morgendämmerung, ein Spiel aus Licht und Schatten. Aber genau so ist das Leben: voller Veränderung, Entwicklung, Wachstum.

Und deshalb ist es auch auf diesem Blog so ruhig geworden. Nicht hauptsächlich deshalb, weil ich heute viel weniger Zeit für das Bloggen habe als noch zu Uni-Zeiten, sondern weil ich meine Prioritäten zeitweise auf andere Dinge verlegt habe. Auf self care zum Beispiel, auf die Arbeit an mir selbst und meiner Gesundheit. Auf die Zeit mit meinem Partner, den ich mehr schätze, als ich adäquat ausdrücken kann. Und, gerade im Frühjahr und im Sommer, auf unseren Garten und all die Pflanzen, die darin heranwachsen. Statt Rezensionen zu schreiben, zupfte ich Unkraut, topfte Kräuter um, erntete sonnengereifte Tomaten. Statt an Beiträgen zu feilen, schnappte ich mir das Fahrrad und erkundete die herrliche Landschaft rund um unser Zuhause. Sprang in den Fluss, tanzte durch laue Sommernächte und stöberte in Kräuter- und Pilzführern und fühlte mich wie eine kleine Kräuterhexe, die gerade erst lernt, Hexe zu sein. Es war eine wunderbare Zeit, für die ich sehr dankbar bin. Das schlechte Gewissen hat da natürlich immer mal wieder angeklopft, gerade dann, wenn ich zu einem Buch gerne etwas geschrieben hätte, und mich dann doch für etwas anderes als das Bloggen entschieden habe.

Nun beginnt so langsam der Herbst, und ich merke, dass sich mein Fokus wieder nach Innen verlagert – ich krame Kerzen hervor, sortiere mein Bücherregal neu, plane meine Leseliste für den Herbst. Auch mein Schreibprojekt höre ich jetzt wieder leise nach mir rufen. Es wird wieder gemütlich und kuschelig, und ich denke, ich werde jetzt wieder öfter an meinem Schreibtisch zu finden sein – immer mit einer Tasse dampfendem Tee neben mir und mindestens einer flackernden Kerze. Und ich glaube, wenn dann der eine oder andere Beitrag zu eurer Gemütlichkeit beitragen kann, nicht regelmäßig und geplant, dafür spontan und mit neuer Begeisterung, dann trägt auch das zur neuen, ruhigeren Gestalt meines Blogs bei, den ich einfach nicht aufgeben möchte.

Wir haben auch ohne die Unruhen und Katastrophen, die in diesem Jahr weltweit für Erschütterung, Wut, Angst und Trauer sorgen, schon immer in einer ungewissen Zeit gelebt, und doch komme ich nicht umhin, mich unbändig auf die kälteren Jahreszeiten zu freuen. Auf den Herbst mit seinem farbenfrohen Laub und den Winter mit Schneebedeckten Dächern und Wipfeln und roten Nasen. Auf neue Geschichten und Inspirationen und Zeit, die man mit guten Gesprächen, mit Kuscheln unter weichen Decken und mit Katzen-streicheln und Pilzesammeln und dem Duft von Laub und Harz in der Nase verbringt. Und, natürlich, mit den Fingern auf der Tastatur, und Vorfreude im Herzen.

Ich freu’ mich auf euch, wenn ihr euch dann und wann auf meinen Blog verirrt.

Es wird bestimmt ganz wunderbar.

Eure Ida ♥

6 thoughts on “Idas Teekränzchen #52 | So still hier…

  1. Hallo, Ida!
    Ich finde es schön zu wissen, dass es dir gut geht und dass du deinen Sommer genießt. Du bringst genau hervor, was ich denke – dass das Leben unbeständig ist und dass wir nicht vergessen sollen, es zu leben. Zumindest interpretiere ich das so. Ich kann dich direkt sehen, wie du durch den Wald stromerst oder Kräuter umtopfst. 😉 (Ich habe dieses Jahr zum ersten Mal Kartoffeln geerntet. Gartenarbeit hat wirklich was Befriedigendes.)
    Ich werde mich über mehr Beiträge von dir freuen.
    Alles Gute inzwischen, M ❤

    Liked by 1 person

    1. Hallo meine Liebe!

      Mensch tut das gut, sowas zu lesen. :’)
      Genau so sehe ich es auch: sein Leben so zu gestalten, wie es einem das Außenrum eben gerade erlaubt. Und wenn die Sonne scheint und es draußen so viel zu erleben gibt, dann geht das erst mal vor. Alles zu seiner Zeit ❤
      Die Gartenarbeit ist sooo meditativ! 😀 Erdige Hände und der Geruch der ganzen Kräuter, während man erntet – das ist schon echt kaum zu toppen. 🙂 Kartoffeln ernten stelle ich mir übrigens auch richtig toll vor! Die Pflanzen werden ja doch riesiger, als ich je gedacht hätte – zumindest sind die Kartoffelpflanzen meiner Bekannten fast so groß wie ich 😀

      Alles Gute für dich & bleib gesund!
      Ida ❤

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