Idas Leseprojekte · Im Rausch der Trilogien

Im Rausch der Trilogien | Der Reiz von Zauberschulen

Herzlich Willkommen zurück im Rausch der Trilogien!

…. und damit auch herzlich Willkommen zurück von der Zeitreise, die ihr gestern mit Gabriela und ihrer Zeitenzauber-Trilogie angetreten habt! Habt ihr euch schon erholt? Prima, dann kann’s ja jetzt losgehen mit der Besichtigung der ominösen Zauberschule für Gute und Böse aus Soman Chainanis gleichnamiger Reihe!



 

SFGAE_02

 

D E R    R E I Z    V O N    Z A U B E R S C H U L E N

In einem tiefen, dunklen Tann
Liegt eine Schule wundersam.
Die Schule für Gut und Böse.
Zwei Türme wie Zwillingsköpfe,
Einer für die Reinen,
Einer für die Gemeinen.
Es gibt kein Entrinnen,
Der Wald ist ein Graus,
Nur durch ein Märchen
Find’st du hinaus.

Soman Chaimani| The School for Good and Evil

 

Spätestens seit Harry Potter ist er da: der Reiz des im Fernen liegenden Internats, der Zauberschule, in der man Zaubersprüche lernt und sein ganzes Zaubererpotential ausschöpfen kann. In gemütlichen Gemeinschaftsräumen sitzen und bei knisterndem Feuer Hausaufgaben machen, gemeinsam mit ein paar Freunden bis spät in die Nacht quatschen und tägliche Pyjamapartys abzuhalten, weil man sich ein Zimmer teilt. Bis auf das Heimweh klang das Konzept einer magischen Schule für mich immer wahnsinnig aufregend! Kein Wunder, dass mich deshalb auch die “The School for Good and Evil”-Reihe von Soman Chainani so angesprochen hat.

Anders als bei der bekannten Harry Potter-Reihe wissen die Protagonisten von Soman Chainani bereits zu Beginn der Geschichte von der Existenz der Schule für Gute und Böse. Doch nur Sophie ist absolut begeistert von der Schule und hofft inbrünstig, dass sie vom Schulmeister für die Schule der Guten gewählt wird, und er ihre beste Freundin Agatha in die Schule der Bösen steckt. So ist diese Schule nämlich aufgeteilt: in zwei Schlösser, die unterschiedlicher nicht sein könnten:

 

D I E    S C H U L E    D E R    G U T E N

Gläsern sind die Türme in der Schule der Guten, und diese vier Türme nennen sich Reinheit, Ehre, Herzensgüte und Tapferkeit. Rosa und Hellblau sind die primären Farben, der See an des Schlosses Ufer ist kristallklar und niedliche Elfen schwirren durch die Gänge. Porträts von Ehrenschülern und ihrem Happy End mitsamt dem glorreichen Spruch “Für Immer und Ewig” zieren die Wände. Die Schüler tragen klischeehafte Uniformen, da dürfen die gläsernen Schuhe der Mädchen natürlich nicht fehlen sowie die glänzenden Schwerter der zukünftigen Prinzen. Die Prinzessinnen-Anwärterinnen lernen unter anderem, mit Tieren zu sprechen, mit guten Taten, Schönheit und Charme bei ihren Traumprinzen zu punkten und auf ihr Happy-End zuzusteuern. Die Jungen hacken mit Schwertern aufeinander ein und sprinten durch die Gänge des Schlosses.

D I E    S C H U L E    D E R    B Ö S E N

Gefährlich und rau geht es dagegen auf der Seite der Schule der Bösen zu. Sprechende beziehungsweise herumbrüllende Wölfe sorgen dafür, dass man nicht aus der Reihe tanzt. Die drei Türme tragen die Namen Bosheit, Laster und Unheil. Dunkel und modrig sind die Hallen des Schlosses, es gibt Kerker und einen Folterraum, und zum Mittagessen bekommt man schauderhaften Fraß in Eimern (!). Gelehrt werden Garstifizierung, dunkle Zaubersprüche, die Schüler werden im Kampf und in Todesfallen trainiert und jeder muss sein spezielles, böses Talent verfeinern. Schwarze, löchrige Säcke dienen den bösen Schülern als Schuluniform und im schlammigen See am Schlossufer tummeln sich tödliche Kroks und allerlei widerliches Getier.

 

Nun, das klingt doch schon mal ganz schön klischeehaft. Und das wird in den ersten drei Bänden der Reihe für meinen Geschmack auch ziemlich ausgereizt. Die Guten sind die hübschen Schüler, die Bösen natürlich die äußerlich Unansehnlichen. Zwischendrin nimmt es eine Wendung, wenn in einem der Bände alle Regeln aufgehoben sind und grundsätzlich Chaos herrscht, und alle so sein können, wie sie wollen: natürlich entweder total hübsch oder gänzlich hässlich (und gleichzeitig ungewaschen). Denn wer kennt es nicht: gesellschaftlich festgelegte Hässlichkeit geht mit mangelnder Hygiene Hand in Hand. Ganz schön viel Oberflächlichkeit und Äußerlichkeit für eine Reihe, die für junge Leute konzipiert ist. Klar, der Autor lässt auch da bestimmte Wendungen einfließen, die zeigen: man braucht keine Schminke, man muss nicht typisch “mädchenhaft” sein, um ein wertvoller Mensch zu sein, und doch wird diese Message leider vom Rest der Geschichte mächtig untergraben.

Doch wozu ist diese Schule überhaupt nützlich? Was ist ihr Zweck?

Sicher will sie bestimmte junge Leute mit magischen Fähigkeiten zu noch besseren Zauberern machen, um ihre Magie in der Welt gut einsetzen zu können und diese Fähigkeiten zu beherrschen. Aber das allgemeine Ziel der Schule scheint tatsächlich Folgendes zu sein: die Schüler sind Teil eines neuen Märchens, das eine magische Feder in ein dickes Märchenbuch im Turm des Schulleiters schreibt. Und natürlich möchte man nicht unbedingt als schnatternde Gans oder als Bohnenranke in einem von der Feder neu begonnenen Märchen enden, weshalb man in der Schule besonders gut abschneiden muss. Dann wird man Prinz oder Prinzessin, bekommt den Kuss und das Happy End. Das Äquivalent der Schule für Böse ist natürlich die Rolle des Bösewichts! Aber schon seit vielen, vielen Jahren hat das Böse nicht mehr gesiegt, jedes Mal endete ein neues Märchen mit dem obligatorischen Schluss-Kuss und einem gehauchten für immer und ewig. Folglich besteht natürlich eine erbitterte Feindschaft zwischen den Schülern beider Schulen.

Für Sophie liegt der Reiz der Schule darin, dass sie sich dadurch eine Flucht aus ihrem tristen Dorfleben erhofft. Sie ist viel zu gut für all die Dorftrottel! Sie sieht es schon vor sich: der Traumprinz, die Traumhochzeit, der Kuss der wahren Liebe, die magische Feder schreibt Ende unter ihr ganz persönliches Happy End. Blöd nur, dass Sophie in der Schule für Böse landet. Da kann man nur Bösewicht werden, und die kriegen nie die Prinzen, das weiß doch jeder. Denn Bösewichte können gar nicht lieben. Ergo gehört Sophie ja auch zu den Guten… Aber mal ehrlich: was sind das für Träume einer … 12- bis 16-Jährigen, die so sehr Prinzessin sein will, dass sie nicht vor echt unfassbaren Grausamkeiten und Verrat zurückschreckt? Agatha hingegen will nur noch heim, sobald sie in dieser Schule angekommen ist. Sie will ihrer Freundin dabei helfen, in die Schule der Guten zu kommen, und danach: nix wie heim! Doch natürlich kommt es anders, schließlich sprechen die 6 Bände für sich.

Nachdem ich mich jetzt wie Prince Charming mit scharfem Schwert durch die Dornenhecken der drei Bände von ‘The School for Good and Evil’ gekämpft habe, kann ich nun mit Fug und Recht behaupten: besonders reizvoll finde ich den Gedanken, auf solch eine Schule zu gehen (oder dorthin entführt zu werden), nicht. Da ginge es mir wie Agatha, die will schließlich auch direkt wieder heim. Zumal der Stellenwert der Schule als unterrichtende Instanz im Laufe der Bände auch immer weiter sinkt und sich andere Themen im Fokus der Geschichte befinden.   



Man glaubt es nicht, wie schwer es ist, keinen Verriss über diese Reihe zu schreiben. Ich habe mich wirklich bemüht, aber heiliger Strohsack, da ist so einiges, das in dieser Reihe keinen Sinn ergibt & das direkt mit dem Konzept der magischen Schule verbunden ist. Da verknotet sich das Hirn von ganz allein.
Dafür wird es im morgigen Beitrag von Gabriela ganz besonders spannend: sie befasst sich im Rahmen der Zeitenzauber-Trilogie mit dem Reiz der Zeitreisen! ♥

 



Im Rausch der Trilogien – Das Jugendbuch-Special:

08.06.20    Ida:   Soman Chainani – The School for Good & Evil
09.06.20    Gabriela:   Eva Völler – Die Zeitenzauber-Trilogie
10.06.20    Ida:   Der Reiz von Zauberschulen
11.06.20    Gabriela:   Vom Reiz der Zeitreisen
12.06.20    Ida:   Jugendliteratur – nicht nur für Jugendliche!
12.06.20    Gabriela:   Jugendbücher für Jung und Alt!

 

 

6 thoughts on “Im Rausch der Trilogien | Der Reiz von Zauberschulen

  1. Liebste Ida! ❤️
    Ah, so langsam geht das Grundkonzept dieser Schule auch in meinem Kopf auf – so langsam! Allerdings gibt es da so einiges, dass ich nicht verstehe. Wenn pro Jahr nur 2 Kinder geraubt werden, und alle anderen schlottern vor Angst, was macht dann Sophie so sicher, dass sie und ihre “Freundin” die Auserwählten sein würden? 😀 Und wieso hofft sie überhaupt, dass Agatha zu den bösen gesteckt wird? Ziemlich fies und offensichtlich einer der Gründe, weshalb sie bei den Bösen landet. So eine Zicke!

    Da würde ich Hogwarts dann doch als Schule vorziehen, hier lernt man zumindest was fürs Leben, anstatt nur für das nächste Märchen. Obwohl ich vermutlich wie du elendiglich am Heimweh zugrunde gehen würde 😀 ❤️

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    1. Meine liebste Gabriela! ❤

      Die Kinder werden alle 4 Jahre geklaut – so lange dauert offenbar die "Ausbildung", und

      *Obacht, Spoiler!* … Sophie ist sich da gar nicht mal so sicher, dass sie dieses Jahr genommen wird. Deshalb freundet sie sich auch mit Agatha an, weil sie genau weiß, dass Agatha mit ihrem Aussehen einfach genau in diese "böse Schiene" passt, und wenn Sophie täglich etwas Gutes tut, z.B. Agatha Kekse vorbeibringen oder den Leuten erklären, wie man sich modisch kleidet, das als gute Tat zählt und sie für die Schule des Guten auserwählt wird. Allein das hat sie einfach so mega unsympathisch gemacht, und ist auch einer der Gründe, warum ich den Mädels die Freundschaft nicht abkaufe, weil sich Sophie die ganze Zeit so blöd gegenüber Agatha verhält. Ne richtige Zicke, wie du schon sagst – die auch nicht vor Mord an ihrer "besten Freundin" zurückschreckt. :-O Und im nächsten Band sind sie wieder best friends for life 😀 *Spoiler Ende*

      Da finde ich es ja immerhin schon mal nett, dass man in Hogwarts wenigstens die Weihnachts- und Sommerferien zuhause verbringen darf. Das geht in der Schule für Gute und Böse nämlich auch nicht – da sieht man seine Familie nie wieder! -.- 😀

      … puuuh… aber die nächste Trilogie wird bestimmt spaßiger. 😀 ❤

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      1. Aha, aha! Was du da beschreibst, bringt direkt mein linkes Augenlid zum zucken 😀 Die gute Sophie muss sich also nun so gar nicht wundern, wieso sie in der bösen Schule steckt – geschieht ihr völlig recht!

        Die nächste wird aber sowas von spaßig, das hoff ich doch für uns beide =) ♥

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      2. Das war beim Lesen ganz genau meine Reaktion! 😀 Bin schon sehr beeindruckt, dass mir dieses Augenliedzucken nicht geblieben ist, genauso wie das Augenrollen… 😀

        Ich drück schon mal vorsorglich alle meine Daumen… 😀 ❤

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