Ida schreibt

7 Dinge, die mich der NaNoWriMo gelehrt hat

Es ist doch wirklich kaum zu glauben, liebe Leute! Da blinzelt man EIN EINZIGES MAL, und schon kann man dem November nur noch verdattert hinterherwinken, während er sich auf und davon macht. Hiermit läute ich also den letzten Novembertag ein, und damit auch den letzten Tag des diesjährigen National Novel Writing Month. Der NaNoWriMo beginnt am 01.11. und endet mit dem letzten Tag des November – und jeden Tag wird geschrieben, geplottet und an Figuren und Handlung einer Geschichte geschliffen. Das Ziel: 50.000 Wörter innerhalb eines Monats schreiben, in etwa 1700 Wörter pro Tag.

Um diesen chaotischen und wahrlich mit Terminen und Projekten überladenen November Revue passieren zu lassen, in dem sich (fast) alles ums Schreiben gedreht hat, plaudere ich heute ein bisschen aus dem Nähkästchen. Denn mal ehrlich: so ein intensiver Schreibmonat ist schon etwas ganz besonderes – und man lernt dabei allerlei. Über das Schreiben, aber auch über sich selbst.



EXPERIMENTIEREN STRENGSTENS ERLAUBT

Schon beim Schreiben meiner Kurzgeschichten, die quer über diesen Blog verteilt sind, habe ich eines erkannt: Experimentieren ist super. Nachdem die Schreiberei bei mir just zu Beginn des NaNoWriMo ins Stocken geriet, habe ich das Expermentieren wieder für mich entdeckt. Ich wechselte meinen Schreibort, kritzelte in der Bahn oder am Küchentisch oder ging meinen Nachbarn schrecklich auf die Nerven, indem ich ein Kapitel auf einer alten Schreibmaschine tippte, anstatt wie gewöhnlich den Laptop zu benutzen. Und siehe da: Es tat gut, ab und an den Schreibort oder die Schreibtools zu wechseln. Allein der Tausch von Laptop gegen Notizbuch hat eine gewisse Ruhe in mein Schreiben hineingebracht.

Als ich mich dann wieder einmal in der Handlung der Geschichte festgefahren fühlte und es weder vor noch zurück ging, erlaubte ich mir einen Hauch schreiberische Kreativität. Warum nicht die Perspektive wechseln? Warum nicht eine bestimmte Situation aus den Augen eines Nebencharakters betrachten – oder aus der Sicht eines Vogels, der die Szenerie mit kräftigem Flügelschlag hinter sich lässt? Tatsächlich hat es mir dabei geholfen, mich wieder neu in meine Geschichte und ihre Figuren zu verlieben.

DER PRIMA NANO-SUPPORT 

Auch das ist eine Lektion, die ich im meinem Leben wahrscheinlich niemals auslernen werde: Hilfestellungen jeder Art sollte man auf jeden Fall wenigstens einmal näher betrachten statt sie direkt abzulehnen. Denn im Fall des NaNo-Supports war das mehr als hilfreich: es gab sogar ein extra Handbuch, mit dem man sich auf den Schreibmonat vorbereiten konnte, samt kreativen Herangehensweisen zur Erstellung von glaubhaften und interessanten Protagonisten, Settings, Handlungen und noch vielem mehr.

Das fand ich besonders schön an meiner Erfahrung mit dem NaNoWriMo: dass es so viele verschiedene kreative Möglichkeiten gab, um den Schreibmonat voll und ganz auszukosten. Virutelle Write-Ins, bei denen man gemeinsam mit anderen Schreiberlingen den Stift zückt und sich nach einer bestimmten Zeit darüber austauscht, zum Beispiel. Oder natürlich Ratschläge, Tipps und Tricks von Autoren und Autorinnen aus aller Welt, und die Möglichkeit, direkt auf der Internetseite einen Timer einzustellen, der nach Ablauf der Schreibzeit ein fröhliches Pling! und ein “Time’s Up!” verlauten lässt.


DER ZAUBER EINER GUTEN PLAYLIST

Na, wer kennt es? Man hört da dieses eine Lied, und plötzlich ist man wie gefangen in einer Stimmung, einer fast schon magischen Atmosphäre. Während ich für meine Kurzgeschichten oftmals zu langsamen Versionen von verschiedensten Songs der guten Billie Eilish gegriffen habe, habe ich während der vergangenen 30 Tage etwas Neues für mich entdeckt. Lacht jetzt nicht! Aber es gibt sogenannte ASMR-Videos, die verschiedene Räumlichkeiten innerhalb der starken Mauern von Hogwarts, der Schule für Hexerei und Zauberei, zeigen. Man hört, wie Bücherseiten umgeblättert werden, wie es im Ofen knackt, wie der Regen gegen die Fensterscheiben prasselt und sich irgendwo in einer weit entfernten Ecke jemand räuspert und mit einer Feder auf Pergament kratzt. Perfekt, um konzentriert eine volle Stunde durchzuschreiben. Soll es dann doch etwas emotionaler werden, oder kämpferischer, dann habe ich den verschiedenen Soundtracks von Game of Thrones oder Der Herr der Ringe gelauscht. Was soll ich sagen, es war episch!

nano_01.jpg

MIT EINEM SCHREIB-BUDDY BIST DU NIE ALLEIN

Aber wisst ihr, was eigentlich die schönste Erfahrung des NaNo war? Dass es sich mit einem Schreib-Buddy viel, viel schöner schreibt. Denn wie es der Zufall so wollte (oder das Schicksal, da kann man drüber streiten), hat sich auch Gabriela vom Buchperlenblog im November in die Welt des Schreibens aufgemacht. Es gibt kaum etwas Schöneres, als sich am Ende des Tages darüber auszutauschen, wie der jeweilige Schreibtag gelaufen ist und sich gegenseitig anzufeuern und für das Geschaffte die imaginären Pompoms zu schütteln. Außerdem kurbelt es natürlich die Motivation ungeheuer an, wenn man weiß, dass da am anderen Ende noch jemand sitzt und zur gleichen Zeit wie man selber in die Tasten haut, und eine Geschichte kreiert, von der man schon jetzt weiß, dass man sie unbedingt lesen MUSS. Aber haltet ein, denn es kommt noch besser!

BESCHWIPSTE SCHREIBSESSIONS SIND GUTE SCHREIBSESSIONS

Jawohl, ihr lest richtig! Aus reinem Zufall entstehen doch die tollsten Sachen: so auch die beschwipste Schreibsession. Abends noch richtig gut gegessen, dann die Kerzen auf dem Schreibtisch entzündet und mit einem Bier oder Glüh- oder normalem Wein bewaffnet in wohliger Beschwipstheit ganz in die Geschichte eintauchen, an der man gerade schreibt. Auch das funktioniert am besten mit dem liebsten Schreib-Buddy! Dabei habe ich etwas ungemein Faszinierendes herausgefunden: kühlschrankkaltes Bier bringt meine Kreativität offenbar so richtig in Wallung, selten habe ich etwas so Gutes geschrieben. Und das fand ich übrigens auch noch am nächsten Morgen in grundnüchternem Zustand. Die Wirkung vom Glühwein war eher so meh. Da kommt wohl doch die Fränkin in mir zum Vorschein… 😉 Zweifellos muss ich niemandem sagen, dass man trotzdem gewissenhaft mit Alkohol umgehen sollte. Wäre doch zu schade, wenn aus dem beschwipsten Schreiben ein betrunken-das-Leere-Blatt-anstarren wird.

DAS IST EIN GRUND ZUM FEIERN!

Selbst, wenn die NaNo-Seite Belohnungs-Badges anbietet, die man sich erarbeiten, und man sein tägliches Ziel mit der Statistik überprüfen kann – so ein gesetztes Ziel kann auch echt abschreckend wirken, wenn man mehrere Tage hintereinander nicht die Möglichkeit hatte, zu schreiben. Dann sieht man, wie sehr man hinterherhinkt und die ganze Motivation ist dahin.
Auch das musste ich diesen Monat lernen: dass es gut und sogar notwendig ist, seine Schritte auf dem Weg zum Ziel zu feiern. Und dabei ist es egal, ob man an einem Tag nur eine halbe Seite geschrieben hat oder sogar über das Tagesziel von 2000 Wörtern hinausgeschossen ist. Ganz egal, wie viel man schafft – Hauptsache, man  hat sich einen Moment in seinem Tagesablauf freigeschaufelt. Sich Zeit genommen für das Schreiben, für diesen wunderbaren, herrlichen Moment, ganz einzutauchen in eine Welt, die – vorerst noch – nur im eigenen Kopf existiert.

EIN BISSCHEN SELF CARE HAT NOCH KEINEM GESCHADET

Mein NaNoWriMo ist gut gelaufen – während der ersten zweieinhalb Wochen zumindest. Danach: Leere im Kopf, keine Zeit fürs Schreiben, denn manchmal klopft eben das Leben an und die Arbeit, und dann verschieben sich Prioritäten. Aber auch das ist ok.
Wenn man erkältet ist und sich auf nichts konzentrieren kann, wenn man abends von der Arbeit heimkommt und nur noch erledigt ins Bett fällt, wenn man nebenher noch mit anderen Projekten jongliert oder wenn man gerade einfach nicht den Kopf für das Schreiben hat – es ist ok. Ich hatte ein schlechtes Gewissen, ohne Frage. Aber dann habe ich ein heißes Bad genommen oder mir ein Buch geschnappt, das mich in eine ganz andere Welt entführte, und es tat mir gut. Denn dadurch bekam ich wieder neue Ideen, und ich konnte wieder Kraft tanken für den heutigen, allerletzten Schreibtag des National Novel Writing Month.

Und danach? Nun, nach dem NaNoWriMo ist vor dem NaNoWriMo. 😉 Auch danach wird fleißig weiter geschrieben, wie es die Zeit eben zulässt. Aber es war richtig toll, dem Schreiben für eine Weile die oberste Priorität zuzuordnen – und jemanden an seiner Seite zu haben, der sich dasselbe Ziel gesetzt hat. An dieser Stelle noch einmal tausend Dank an meinen wunderbaren Schreib-Buddy Gabriela. Mit dir schreibt sich’s einfach am schönsten! ❤
Schaut heute auch unbedingt bei Gabriela vorbei, denn auch sie hat einen Blick auf ihren Schreibmonat geworfen – es lohnt sich! 

 

11 thoughts on “7 Dinge, die mich der NaNoWriMo gelehrt hat

  1. Ach wie ist das schön geworden! ❤️ Ich habe gerade so oft schmunzeln müssen, gerade auch bei der Erwähnung der beschwipsten Schreibsession 😀 Es ist wirklich ein Wunder, wie gut dass doch funktioniert hat. Der Apfelglühwein für heute Abend steht auch schon bereit, ich hoffe, heute mit dir zusammen nochmal wenigstens die 2000, wenn nicht sogar die 3000 Worte erneut zu erreichen. Auf jeden Fall weiß ich schon jetzt, wen ich mir für das nächste NaNo-Event als Schreib-buddy wünsche: dich. ❤️

    Liked by 1 person

    1. Die beschwipste Schreibsession war wirklich die Entdeckung des Jahres! 😀 ❤
      Na das klingt doch ganz und gar wunderbar, bei uns liegt das Bierchen auch schon schön kalt :')
      Manche Wünsche dürfen nur zu gern in Erfüllung gehen! Ich bleib' einfach für immer dein Schreib-buddy, nicht nur für den NaNo – so! 😀 ❤

      Liked by 1 person

  2. Das mit dem Schreib-Buddy klingt wirklich nach einer fantastischen Idee. Ich fand bereits den Support über Twitter sehr hilfreich, auch mal zu Lesen, dass andere an ähnlichen Punkten Scheitern.
    Ich wünsche dir viel Erfolg weiterhin. 🙂
    Grüße, Katharina

    Liked by 2 people

    1. Danke, liebe Katharina! 🙂
      Man glaubt gar nicht, wie motivierend es ist zu hören, dass auch andere beim Schreiben so ihre Probleme haben – gerade dafür ist so ein Austausch auch immer richtig prima 😉 Und einen Schreib-Buddy zu haben, das ist tatsächlich eine der besten Sachen überhaupt! 😀
      Ich wünsche dir einen wunderbaren Start in den Dezember und ganz viel Zeit zum Schreiben ❤
      Ida

      Liked by 1 person

  3. Ich habe dieses Jahr auch überlegt am NaNoWriMo teilzunehmen, aber bisher hat mich der zusätzliche Stress immer abgeschreckt, aber ja… ich denke, die Idee das Schreiben für eine gewissen Zeit zu priosieren ist auf jeden Fall wundervoll. Irgendwann wird dann wohl ein Monat kommen in dem ich mich daran versuchen werde. Danke für diesen tollen Einblick in deine Erfahrungen!
    Alles Liebe
    Marleen

    Liked by 1 person

    1. Hallo liebe Marleen!

      Das schöne ist ja, dass man dafür den NaNo eigentlich gar nicht braucht, man muss sich im Grunde “nur” dazu motivieren, es einen Monat lang durchzuziehen. ;D Und selbst wenn es dann nicht durchgehend klappen sollte, ist es doch ganz wunderbar, wenn man weiß, dass man dem Schreiben eine Zeitlang die höchste Aufmerksamkeit geschenkt hat. 🙂
      Ich wünsche dir richtig viel Spaß und viele Ideen, wenn du beschließt, dass es Zeit ist für einen Schreibmonat!

      Liebste Grüße,
      Ida

      Liked by 1 person

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.