Idas Teekränzchen · Plauderecke

Idas Teekränzchen #41 | Gemütlichkeit

Wir befinden uns nun mitten im nebelgrauen Herbst, und in der kalten Nachtluft wittert man schon die herannahenden Schritte des Winters, der mit eisigen Böen das bunte Laub von den Bäumen weht. Damit beginnt für mich die typische Zeit der Gemütlichkeit, das heißt, man macht es sich so richtig ‘hyggelig’. Doch was ist das eigentlich, diese Gemütlichkeit? Laut Wikipedia lautet die Definition folgendermaßen:

Gemütlichkeit, die

 abgeleitet von Gemüt, ist ein subjektiv empfundener Gemütszustand des Wohlbefindens, ausgelöst durch subjektiv determinierte materielle Verstärker und/oder Situationen. […] Gemütlichkeit kennzeichnet eine dem Menschen freundliche, warme Atmosphäre und Umgebung, in der man sich wohlfühlt. Sie ist gekennzeichnet von Ausgeglichenheit, Geborgenheit, Konfliktfreiheit und Sorglosigkeit. Sie bringt Ruhe in die Hektik. Gemütlichkeit verträgt keine Aufregung, keinen Streit, keine sich aufdrängenden Sorgen. 

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Aber jeder empfindet Gemütlichkeit auf seine eigene Weise, oder nicht? Also habe ich überlegt, was es für mich bedeutet.
Gemütlichkeit ist für mich eine aufgeräumte Wohnung, in der es nach frisch gebackenem Brot oder gewaschener Wäsche riecht, aber auch ein frisch bezogenes Bett und leckeres Essen bei Kerzenschein. Gemütlichkeit ist der frühmorgendliche Blick aus dem Fenster auf Felder und Wiesen, das Einkehren in eine Wirtschaft oder in ein Café nach einer Wanderung. Es ist das Lesen vor einem prasselnden Kamin und das Schmökern in herbstlich-weihnachtlichen Gartenzeitschriften. Gemütlichkeit finde ich beim Waldspaziergang und Pilzesuchen, beim Kuscheln oder wenn ich meinen Liebsten einfach ganz fest umarme, und natürlich beim Anziehen von dicken, warmen Socken. Es bedeutet Geborgenheit, Wärme, Zufriedenheit, Zuhausesein.

Aber die wahre Gemütlichkeit, die liegt doch eigentlich ganz woanders.

Nämlich in mir selbst.

Doch lasst mich das ein bisschen näher erklären. Dieses Jahr war hektisch und einer Achterbahnfahrt gleich ging auch mein Gemütszustand meilenweit hinauf und dann auch wieder weit, weit hinab. Und als ich dann im September in einem wunderschönen Buchcafé in Kopenhagen saß, den Kopf voller neuer Eindrücke, dachte ich mir: ‘Schade, dass es sowas unglaublich gemütliches nicht bei mir zuhause gibt. Ich würde vermutlich viel zu viel Zeit und Geld dort lassen, aber das wäre es mir wert.’ Ich meine, dort saß man direkt neben endlosen Reihen von Bücherregalen, vollgestopft mit Büchern aller Art, hübsche Kronleuchter blinkten heimelig von der Decke und der Duft von Kaffee und Zimtschnecken hüllte mich in eine warme Decke aus Gemütlichkeit. Passend dazu regnete es draußen natürlich, und im Hintergrund hörte man leise Jazzklänge. Das war DIE Gemütlichkeit schlechthin!

Zum Glück muss man für Gemütlichkeit nicht alle Koffer packen und in ein anderes Land reisen. Das wäre auf Dauer ganz schön teuer und vor allem ziemlich traurig fürs eigene Gemüt. Denn die eigentliche Gemütlichkeit, auf die es wirklich ankommt, die liegt in uns selbst. Wir müssen erst selbst zur Ruhe kommen, um so richtig in diesem hygge- oder Gemütlichkeitsgefühl anzukommen. Und dazu zählt, unter anderem, die Quellen für Stress und Unwohlsein ausfindig zu machen und – ganz besonders: sich so zu akzeptieren, wie man ist. Fragt euch doch mal, ob ihr in eurem Leben zufrieden seid, oder ob es die eine oder andere Baustelle gibt, an der ihr noch Schönheitsreparaturen vornehmen müsst. Oder gab es vor langer Zeit einen Rohrdurchbruch, der nun im Keller vor sich hin modert und sich langsam aufs ganze Gebäude eurer selbst ausweitet? Es lohnt sich, regelmäßig Inventur zu machen. Es erfordert Mut und Zeit, aber es lohnt sich.  Ein jeder von euch ist es wert, dass ihr in euch selbst investiert. Denkt nur an all die Gemütlichkeit, die man nach getaner Arbeit so richtig genießen kann!

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V o r a u s s e t z u n g e n    f ü r    d i e    e i g e n e    G e m ü t l i c h k e i t :
e i n    A u s z u g

(die man bei Bedarf durchaus einem Mantra gleich vor sich hinmurmeln oder laut aufsagen darf. Falls es jemanden im direkten Umfeld stören sollte, soll derjenige sich die Ohren zuhalten oder mit-mantra-en)
:

Ich muss in erster Linie ich selbst sein können.
Ich muss mir über meine eigenen Grenzen im Umgang mit mir selbst und anderen klar werden und dann auch den Mut besitzen, diese Grenze auch zu setzen und zu verteidigen.
Ich muss lernen, zu bestimmten Dingen NEIN zu sagen, wenn ich merke, dass sie mir nicht gut tun.
Und ich muss im gleichen Zuge auch lernen, JA zu sagen, wenn mich etwas bereichern könnte, ich aber zu ängstlich oder zu bequem dafür bin.

Letztendlich ist es doch mein Leben, und damit meine Gemütlichkeit (ganz zu schweigen von der eigenen Gesundheit), die hier auf dem Spiel steht, wenn ich diese Dinge vernachlässige und darauf warte, dass sie mich auf unangenehme Art und Weise heimsuchen. Als jemand, der sich auf dem Gebiet der Angst- und Panikstörungen meiner Meinung nach viel zu gut auskennt, kann ich da ein Lied von singen. Mach ich aber nicht, klingt nämlich nicht allzu erquicklich.

Dazu gehört im Übrigen auch, dass man sich regelmäßig Zeit für sich selbst nimmt. Und wenn es nur eine halbe Stunde ist, um im Lieblingsbuch zu lesen, oder eine regelmäßige Verabredung mit sich selbst zum Spazierengehen, zum Sport oder um zu malen, zu stricken und zu basteln, Fotos zu machen, sich weiterzubilden, zu meditieren oder sich mit einem Glas Wein bewaffnet ganz gezielt seinen Dämonen zu stellen – ganz egal, wie die auch aussehen mögen.

Was ich mit diesem Beitrag sagen möchte, ist (und damit spreche ich zu jedem einzelnen von euch): hab den Mut, du selbst zu sein. Hab den Mut, dich dir selbst zu stellen und den inneren Schweinehund bei den Ohren zu packen und ihm zu zeigen, wer hier das Sagen hat. Sei gut zu dir selbst und zu anderen. Sei geduldig. Lerne, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und entdecke dein inneres Kind, das mit Staunen und unbändiger Freude glänzende Kastanien aufsammelt und wie einen Drachenschatz hütet.

N u r    s o    f i n d e n    w i r    z u    u n s e r e r    e i g e n e n    G e m ü t l i c h k e i t .




Wie definiert ihr Gemütlichkeit? Habt ihr manchmal Schwierigkeiten, diese Gemütlichkeit zu finden? Ich freue mich über einen Austausch in den Kommentaren – oder, wenn euch das eine Spur zu persönlich ist, schreibt mir gerne eine Mail.


Habt ein wunderbares, gemütliches Wochenende!

Ida

 



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6 thoughts on “Idas Teekränzchen #41 | Gemütlichkeit

  1. Ein schöner Beitrag und sehr interessante Gedanken. Hn, was für mich Gemütlichkeit bedeutet, kann ich gar nicht so ad hoc beantworten. Ich glaube, egal wo, wenn mir warm ist und ich in meinem Kopf nicht tausend Dinge habe, Tee gehört irgendwie auch dazu…hn. Ich bin so ein Tu-Mensch und gönne mir wahrscheinlich zu wenig ein Gefühl der Gemütlichkeit aufkommen zu lassen. Ich werde mir mal Gedanken darüber machen. 😉
    Grüße, Katharina

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    1. Liebe Katharina,

      vielen lieben Dank für deinen Kommentar! Auf jeden Fall, so eine schöne dampfende Tasse Tee fährt einen gleich ein bisschen runter! 🙂 Obwohl ich auch schon allein Kaffeegeruch wahnsinnig gemütlich finde, besonders am Morgen. Ich kenne dieses Gefühl, das du beschreibst, ganz besonders von der Arbeit, da steh’ ich ungern tatenlos rum und such’ mir alles mögliche an Arbeit – da bin ich dann wirklich sehr, sehr dankbar, wenn dann eine der Kolleginnen mit einer Tasse Kaffee vorbeikommt und ein bisschen Ruhe reinbringt. 🙂 Es ist doch immer schön, wenn man sich zwischen all dem Hektik kurz einen Moment für sich nimmt ❤

      Liebste Grüße,
      Ida

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  2. Ach meine liebe, liebe Ida!
    Ich bin gerade auf dem letzten Gassigang des Tages, völlig geschafft von der Entkernung eines (!) einzigen Raumes und genieße gerade die Ruhe draußen sehr. Dein Beitrag spricht mir aus det Seele! ❤️

    Im übrigen ist so ein Büchercafé mein geheiner Wunschtraum schlechthin seit vielen Jahren. Fehlt bloß das nötige Startkapital. Aber das fänd ich toll, lesen und naschen gehört ja sowieso zusammen ❤️

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    1. Liebste Gabriela! ❤

      Puuuh.. so eine Raumentkernung ist wirklich kein Zuckerschlecken! Da ist dann das Gassigehen eine wahre Erholungskur dagegen. 🙂
      So oft spinn' ich mir schon den Gedanken zusammen: wär' das nicht toll, so ein Büchercafé aufzumachen? Ich fürchte dann immer, dass ich zwar die Idee liebe, aber dass die Realität dann nicht wirklich gemütlich ist (vor allem ohne Startkapital :'D). Aber wenn man damit anderen ein bisschen Gemütlichkeit in ihren Alltag bringen kann, dann ist es doch kein Wunder, dass der Gedanke im Kopf einfach festsitzt ❤

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  3. Liebe Ida,

    ein sehr schöner und tiefgründiger Beitrag. Ich musste ihn nach dem Lesen erstmal ein bisschen sacken lassen und mir Gedanken machen, was für mich Gemütlichkeit bedeutet. Ehrlich gesagt verwendet man das Wort “gemütlich” schnell, ohne sich genau Gedanken darüber zu machen was einem genau in dem Moment gemütlich vorkommt oder dieses Gefühl der Gemütlichkeit in einem weckt. Für mich ist gemütlich auch im reinen mit mir selbst zu sein. Wenn ich mich in meiner Haut wohlfühle, kann ich loslassen und Eindrücke und Gefühle zu lassen und auf mich wirken lassen. Ich mag es wenn ich mit meinem Freund Zeit verbringe und wir lachen und Spaß haben oder einfach still nebeneinander sitzen und jeder in sein Buch vertieft ist. Ein Ort ist für mich gemütlich, an dem ich sein kann wie ich bin und der mir meinen Freiraum lässt – für mich und meine Gedanken. Ob alleine oder mit meinen Liebsten, das wichtigste dabei ist so sein zu können wie man ist. Dann kann man alle Eindrücke auch genießen.

    Natürlich als Buchfanatikerin assoziiere ich mit einem gemütlichen Abend ein gutes Buch, das mich in eine andere Welt oder Geschichte eintauchen lässt, eine Tasse Tee und schöne ruhige Musik im Hintergrund. Aber auch ein toller Spieleabend mit Freunden, wo man rumwitzelt und jede Menge Spaß hat. Aber ich glaube genau das ist ja das tolle. Das wenn man sich wohl in seiner haut fühlt, kann Gemütlichkeit in vielen Situationen und Orten entstehen.

    Vielen Dank für diesen schönen Denkanstoß!

    Alles Liebe,
    Alisa

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    1. Liebe Alisa,
      vielen, vielen Dank für deinen wunderbaren Kommentar! ❤ Gerade der Gedanke, dass Gemütlichkeit an vielen Orten und in vielen Momenten entstehen kann, wenn man mit sich selbst im Reinen ist, ist denke ich ganz wichtig. Wie soll man sich zu hundert Prozent entspannen können oder im Moment sein, wenn man mit sich selbst nicht wirklich klar kommt? Ist bestimmt nicht schlecht, wenn man sich von Zeit zu Zeit darauf besinnt, was für einen selbst Gemütlichkeit ausmacht – und alle deine Punkte für eine gemütliche Zeit kann ich direkt so unterschreiben. 🙂
      Hab einen wundervollen Abend!
      Ida ❤

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