Bildband · Idas Regal der ausgelesenen Bücher

Rezension | Eva Eberwein – Der Garten von Hermann Hesse

Die Gärten von Künstlern haben für mich etwas ungemein faszinierendes. Diese Orte sind zugleich Schaffens- und Rückzugsorte, und diejenigen, die mit Sorgfalt planen und das dann mit eigenen Händen umsetzen, die ziehen daraus Inspiration für neue Werke. Schon von Kindesbeinen an besuchte ich im Sommer mit meinen Eltern regelmäßig den Garten des Malers Emil Nolde und konnte mich an all den Farben, und besonders an den herrlich bunten Dahlien gar nicht satt sehen. Diese Blumen zählen seither zu meinen Lieblingsblumen, und sie zierten auch damals schon den Garten des bekannten, deutschen Schriftstellers Hermann Hesse.

Diesen Garten hat Eva Eberwein auf Hesses ehemaligem Grundstück am Bodensee in liebevoller und mühsamer Arbeit rekonstruiert und wieder aufgebaut – und den Bildband dazu hielt ich erst vor wenigen Tagen in den Händen. In dem heutigen Beitrag möchte ich ihn euch vorstellen und dabei sehr ans Herz legen.

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E V A    E B E R W E I N    –    D E R    G A R T E N    V O N    H E R M A N N    H E S S E
V o n    d e r    W i e d e r e n t d e c k u n g    e i n e r    v e r l o r e n e n    W e l t
–  Rezensionsexemplar*  –


Wenn die Menschen wüssten, wie sehr sich ihr innerer Zustand an der Art ihres Gärtnerns und dem Aussehen ihrer Gärten ablesen lässt!

Eva Eberwein | Der Garten von Hermann Hesse | S. 96

Vor rund 100 Jahren gedieh auf Hesses leicht abschüssigem Grundstück eine prächtige Mischung aus Bäumen, Büschen, Blumen, Kräutern, Obst und Gemüse. Nach 5 Jahren allerdings verließ Hesse samt Familie diesen Schaffensort am Bodensee, und mit dem Tod der darauffolgenden Besitzer war das Hesse-Haus dem Verfall überlassen. Bis zum Jahr 2003, als Eva Eberwein dank einer günstigen Fügung des Schicksals das Grundstück davor bewahrte, einem geplanten Reihenhaus-Block Platz zu machen. Seitdem arbeitete sie an der Instandsetzung des Hauses und des Gartens, ganz so, wie sie es aus Kindertagen kannte und vor allem so, wie es sich Hesse gewünscht hätte.

In dem wunderschönen Bildband ‘Der Garten von Hermann Hesse’ erzählt Eva Eberwein von den Entstehungshintergründen dieses Gartens und davon, wie der Garten schließlich zu dem werden konnte, was er nun ist: ein kulturelles Denkmal, zu dem jährlich Hesse- und Gartenbegeisterte pilgern. In dem vor drei Jahren erschienenen Bildband nimmt uns Eva Eberwein mit auf eine Zeitreise, führt durch Jahrzehnte der Geschichte dieses Gartens und der Menschen, die in ihm werkelten.

“Ich stelle mich heute noch oft unter ihn [Anm. von mir: den Birnbaum]. In seinem Schatten werden die Sorgen des Alltags gänzlich irrelevant. Dort lasse ich alles hinter mir und schalte alle Sinneskanäle auf ‘Empfang’. Es fühlt sich gut und erdend an, diese uralte Konstante um sich zu wissen. Hier bin ich geborgen. Ich muss nichts geben, das Leben geht auch ohne mich weiter. Wie ein inneres Reinigungsbad wirkt mein Aufenthalt unter dem hohen alten Blätterdach beruhigend und klärend. Es wird leichter, die Frage zu beantworten: Was ist wirklich wesentlich, und was nicht?”

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Das Buch lädt zum Verweilen ein, zum Stöbern und zum Graben in der würzig duftenden Erde von Hermann Hesses Vergangenheit. Fünf Jahre lang hat er dort gebaut, gegraben, gepflanzt und geerntet, sinniert und philosophiert und Kraft geschöpft. Es war sein Garten, seine Stätte des Schaffens und Innehaltens, hier gedieh ein außergewöhnliches Stück Landschaft. Es sind Momentaufnahmen der ganz besonderen Art, mit denen Eva Eberwein einem das blühende Anwesen Hesses näherbringt.

Angefangen bei den gesellschaftlichen Hintergründen, die Hesse überhaupt erst zum Kauf des Anwesens bewegten, ziehen sich die Herzstücke des Gartens wie ein roter Faden durch das Buch. Es ist, als würde man selbst eine von Eva Eberweins Gartenführungen mitmachen, als lausche man ihren Ausführungen zu dem großen Birnbaum, dem Kastanienplatz hinterm Haus oder den verschlungenen Wegen, die kleinen Bächen gleich durch den Garten meandern.  Doch sie erzählt nicht nur von Hesses Garten, sie erzählt auch davon, was sie sein Garten über die Jahre hinweg gelehrt hat. Wunderbare und erleuchtende Lebensweisheiten begleiten diesen Bildband, und aus allem, was die Autorin im Hesse-Garten tat (und noch immer tut) spricht vor allem eins: eine bedingungslose Liebe zur Natur und ein respektvollen Umgang mit ihr.

“Das ist die gute Seite der Veränderung: Der neue Garten, das neue Lebensumfeld kann ohne den Verlust des Alten nicht entstehen. Darum geht es doch im Leben: Das, was du tust, mit Leidenschaft, mit ganzem Herzen zu machen und dann Veränderung zuzulassen, statt zu mumifizieren. Alles hat seine Zeit: Anfang und Ende. Und nach dem Ende kommt wieder ein Anfang.”

An alle Garten- oder Hesse-Liebhaber: in diesen Bildband solltet ihr einfach mal reinschnuppern und euch in seinem natürlichen Zauber verlieren. Es lohnt sich!

 


Kleiner Funfact zum Schluss: Im August 2019 wird der Name des Hermann-Hesse-Hauses geändert. Ab dem Hochsommer wird es also ‘Mia-und-Hermann-Hesse-Haus’ heißen, um die Leistungen Mia Hesses endlich offiziell zu würdigen. Mia, die knapp 10 Jahre älter war als ihr Ehemann, war nämlich eine ziemlich coole Powerfrau, die so ganz nebenher das Haus am Bodensee während ihrer Suche nach einem Familienheim gefunden hat. [Quelle]

 



Autor:        Eva Eberwein
Fotograf:  Ferdinand Graf Luckner
Titel:          Der Garten von Hermann Hesse.
Von der Wiederentdeckung einer verlorenen Welt.
Verlag:       Deutsche Verlags-Anstalt (DVA)
Jahr der Veröffentlichung: 2016
Seiten:       160
Genre:       [Bildband]



 

*An dieser Stelle vielen herzlichen Dank an die Deutsche Verlags-Anstalt (DVA) in der Verlagsgruppe Random House und das Bloggerportal für das mir zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar! 

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