Ida liest sich nach Mittelerde · Idas Leseprojekte

Ida liest sich nach Mittelerde | 4 | Der Herr der Ringe – Die Wiederkehr des Königs

„In einer Höhle in der Erde, da lebte ein Hobbit.“ Mit diesem Satz hat für mich im Januar eine Reise begonnen, wie sie fantastischer nicht sein kann. Denn in diesem Jahr geht es für mich in die wunderbare Welt von J.R.R. Tolkien, in die Welt der Hobbits und Zauberer, der Zwerge, Elben und Orks und anderen fantastischen und teilweise grauenerregenden Wesen. Kurz, es geht nach Mittelerde. Viele Jahre nach dem ersten Abenteuer mit dem Hobbit Bilbo Beutlin und seiner wackeren Truppe bin ich mit Bilbos Neffe Frodo und den Gefährten zu einer waghalsigen und gefährlichen Reise aufgebrochen. Nun befinden wir uns auf der letzten Etappe dieses Abenteuers und der Schicksalsberg rückt in greifbare Nähe. Macht es euch gemütlich und hört, was ich von der letzten großen Reise Frodo Beutlins und seiner Gefährten zu berichten habe.

 

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J .  R .  R .   T O L K I E N    –    D E R    H E R R    D E R    R I N G E
D i e    W i e d e r k e h r    d e s    K ö n i g s


Die Straße gleitet fort und fort
Weg von der Tür, wo sie begann,
Zur Ferne hin, zum fremden Ort,
Ihr folge denn, wer wandern kann
Und einem neuen Ziel sich weihn.
Zu guter Letzt auf müdem Schuh
Kehr ich zur hellen Lampe ein
Im warmen Haus zur Abendruh.


J.R.R. Tolkien  | Der Herr der Ringe: Die Wiederkehr des Königs  | S. 320


Spoiler Alert – Dies ist der dritte Band einer Reihe! Falls ihr vorhabt, die Reihe noch zu lesen, findet ihr hier womöglich Spoiler zum ersten und zweiten Band!

Der zweite Band, „Die zwei Türme“, endete mit einem kleinen Hoffnungsschimmer in all der Düsternis, die der bevorstehende Ringkrieg über die Gefährten wirft: Frodo wurde nicht von der großen Spinne getötet, sondern lediglich betäubt! Nun ist Sam Gamdschies ganzer Mut gefordert, um seinen besten Freund und Chef aus dem Griff der Orks zu befreien. Währenddessen sind Gandalf und Merry in Minas Tirith angekommen und blicken gemeinsam mit dem Statthalter Denethor einer Belagerung der einst so scheinenden Stadt entgegen. Und was ist mit Aragorn, Legolas und dem vierten Hobbit im Bunde, dem tapferen kleinen Pippin? Gemeinsam mit den Reitern von Rohan reiten auch sie der einen Schlacht entgegen, die alles ändern wird.

„Doch unsere Sache ist es nicht, die Welt durch alle Zeiten zu steuern, sondern in den Jahren, auf die wir beschränkt sind, zu tun, was wir können, um das Übel auf den uns bekannten Feldern auszujäten, damit jene, die nach uns kommen, einen guten Boden vorfinden. Was sie dann für Wetter haben werden, können wir nicht bestimmen.“ – S. 184

Ich bin förmlich durch die Seiten geflogen, und schon nach drei Tagen hatte ich die letzte Station auf dem Weg zum Schicksalsberg, und damit die große Abenteuerreise, bewältigt. Und ich habe auf jeder Seite mit den Figuren mitgefiebert, war atemlos und mit klopfendem Herzen Teil von Schlachten, während derer ich auf die erlösende Rettung gehofft und gebangt habe, war Zeuge von Machtkämpfen und erlebte mit einem lachenden und einem weinenden Auge eine Freundschaft, die mich bereits in den ersten beiden Bänden tief bewegt hat. Aber ich begegnete auch einer starken Frau, die sich nicht ans Haus fesseln lässt, sondern für das kämpft, an das sie glaubt und was sie liebt – und das fand ich so bewundernswert und einfach nur grandios.

„All deine Worte besagen nur: Du bist eine Frau, und dein Platz ist im Hause. Wenn aber die Männer den Heldentod in der Schlacht gefunden haben, dann steht es dir frei, das Haus anzuzünden und mit ihm zu verbrennen, denn die Männer brauchen es nicht mehr. Doch ich bin aus Eorls Geschlecht und keine Dienstmagd. Ich kann reiten und die Klinge führen, und ich fürchte weder Schmerz noch Tod.“
„Was dann fürchtest du, Jungfrau?“ sagte er.
„Den Käfig“, sagte sie. – S. 63

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Und hier kommt nun meine Erkenntnis nach der Beendigung aller drei Bände von ‚Der Herr der Ringe‘: ich liebe, liebe, liebe diese Bücher! Und das viel mehr als die Verfilmung der Reihe. Natürlich kann man nicht alle Aspekte eines Buches in einen Film einbringen, und dass es zumindest zu einem Teil massentauglich sein muss, ist mir auch klar. Dazu sei auch gesagt, dass ich es für eine der besten Buch-Verfilmungen halte, die ich kenne (und auch schon unzählige Male gesehen habe und wahrscheinlich noch ansehen werde, wenn ich achtzig Jahre alt bin).

Aber ich habe die Figuren, die ich vorher nur aus den Filmen kannte, plötzlich ganz anders wahrgenommen. Jede Figur des Buches ist vielschichtig, komplex und eine jede trägt in ihrer Weise dazu bei, dass diese Reise zu etwas so besonderem wird.

„Gimli Glóinssohn, hast du deine Axt bereit?“
„Nein, Herr Éomer“, sagte Gimli, „aber ich kann sie jederzeit holen, wenn nötig.“
„Urteile selbst!“ sagte Éomer. „Denn zwischen uns stehen noch einige unbedachte Worte, die ich einst über die Herrin des goldenen Waldes sagte. Und nun habe ich sie mit eigenen Augen gesehen.“
„Nun“, sagte Gimli, „und was sagst du jetzt?“
„Ach!“ sagte Éomer. „Ich sage nicht, dass sie die schönste aller Lebenden ist.“
„Dann muss ich meine Axt holen“, sagte Gimli. – S. 304

Und ich habe auch erkannt, warum mich die Geschichte vor Jahren noch nicht so fesseln konnte:
1. Ich war zu ungeduldig für die ausschweifenden Formulierungen, für die blumige Art, Umgebungen und Geschehnisse zu beschreiben und die Ausdrucksweise der Figuren kam mir teilweise kurios und sonderbar vor;
2. und damit der größte Punkt: Ich hatte auf eine Liebesgeschichte gehofft. Der Film bauscht die tragisch-romantische Beziehung zwischen der wunderschönen Elbin Arwen und dem Waldläufer Aragorn zu etwas ganz besonders Großem auf, und wenn ich ehrlich bin, war es genau das, worüber ich damals etwas lesen wollte – ich war im Liebesgeschichten-Rausch, wenn man so will.

Was auch immer sich geändert hat (hallo und danke Studium der Germanistik, dich beschuldige ich hiermit), ich bin sehr froh, dass ich die Reihe jetzt so genießen konnte. Dass sie mich zum Lachen gebracht hat, mich schmunzeln und staunen und wüten ließ und dass ich, als ich die letzten Seiten las, eine ganze Packung vollgeheulter Taschentücher rechts und links förmlich um mich schmiss. Ich habe mich in die Welt von Mittelerde und seine Bewohner schockverliebt! Es war ein Wahnsinnsabenteuer und ich war noch lange danach richtiggehend aufgewühlt und gleichzeitig glücklich und traurig, dass ich die Reihe nun beendet habe.

Und deshalb geht es nach meinem Abenteuer rund um den Ringkrieg und den Ringträger wieder nach Mittelerde! Als nächstes werde ich mir das Silmarillion von J.R.R. Tolkien vorknöpfen. Es bleibt spannend, was die Vorgeschichte Mittelerdes angeht…

 



Autor:   J.R.R. Tolkien
Titel:     Der Herr der Ringe: Die Wiederkehr des Königs
Reihe:    Der Herr der Ringe, Band 3
Verlag:  Klett-Cotta
Jahr der Veröffentlichung: 1966 [Diese Ausgabe: 2002]
Seiten:   380



 

D I E    R E I S E    N A C H    M I T T E L E R D E    G E H T    W E I T E R  !

  1.     Der kleine Hobbit
  2.     Der Herr der Ringe: Die Gefährten
  3.     Der Herr der Ringe: Die zwei Türme
  4.     Der Herr der Ringe: Die Wiederkehr des Königs
  5.     Das Silmarillion
  6.     Die Kinder Húrins
  7.     Der Fall von Gondolin
  8.     Beren und Lúthien

9 thoughts on “Ida liest sich nach Mittelerde | 4 | Der Herr der Ringe – Die Wiederkehr des Königs

  1. Hallo liebe Ida,
    das freut mich so sehr, dass dir die Bücher so gefallen haben! Es ist schön, deine Eindrücke hier zu lesen, denn nun habe ich auch eine große Lust, die Bücher noch einmal zu lesen! Das letzte Mal ist nun gut 7 Jahre her für mich und mittlerweile ziehe ich womöglich auch ganz andere Erkenntnisse aus dem Buch. Besonders das Frauenbild interessiert mich doch sehr und allein deswegen und wegen Tolkiens poetischer Schreibweise muss ich es einfach bald noch mal zur Hand nehmen! Danke für diese tolle Anregung 🙂

    Liebe Grüße und viel Spaß mit dem Silmarillion! Bin sehr gespannt auf deine Eindrücke dazu, denn leicht fand ich die Lektüre des Silmarillions nicht unbedingt 😉 Aber trotz allem sehr, sehr spannend!

    Jacqui

    Liked by 1 person

    1. Hallo liebe Jacqui!

      Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie sehr mich das freut! 😀 Tolkiens wunderbare Art zu schreiben und das phänomenale Frauenbild, das diese Reihe durchzieht – aber natürlich auch die ganzen subtil eingearbeiteten Weisheiten – das ist es, was ich an dieser Reihe so liebe. 🙂
      Und umso besser, wenn mein kleiner Reisebericht dich zu einem Re-read inspirieren konnte! 😀
      Bin gespannt auf das Silmarillion, gerade weil ich schon oft gehört habe, dass es ein bisschen zäher zu lesen ist – vielleicht hab ich mich deshalb auch bisher nicht an das Buch herangetraut. Aber ich bleibe zuversichtlich! 😀

      Liebste Grüße,
      Ida

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  2. Liebe Ida,
    das klingt alles wunderbar und ich freue mich sehr, dass dir die Reihe so gut gefallen hat. Ich glaube, die Punkte, die du nennst, wieso dir die Bücher vor einiger Zeit nicht allzu sehr zugesagt haben, sind Punkte, die mich auch heute noch von den Büchern fernhalten. Noch bin ich einfach nicht bereit dafür 🙂
    Es freut mich aber sehr, dass du so ein tolles Leseerlebnis hattest. Vor allem: In drei Tagen durchgelesen! Wow!
    Alles Liebe
    Janika ❤

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    1. Liebste Janika,

      ha, das kann ich voll verstehen! 😀 An manche Bücher kommt man zu bestimmten Zeiten oft einfach nicht ran – und dann vergehen Jahre und plötzlich gefallen sie einem. It’s magic. 😀 Und selbst wenn es dir selbst in zwanzig Jahren noch nicht gefallen sollte, wäre das auch völlig ok. Geschmäcker sind zum Glück verschieden. 🙂

      Jaaa, drei Tage! 😀 Es war einfach so toll, dass ich es einfach ganz zügig auslesen musste. 🙂

      Liebste Grüße,
      Ida ❤

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  3. Jaaa, und aus all den Gründen, die du so schön beschrieben hast, sind sie seit Jahren völlig unerreicht von anderer Literatur meine Lieblingsbücher! Die Filme sind nett, wirklich, und gut gemacht, ja, doch, doch, ganz brauchbar 🙂 , aber nicht zu vergleichen mit den Büchern. So. Das musste mal raus. 🙂
    Liebe Grüße von Tanja

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