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Rezension | Silia Wiebe – Unsere Mütter

Der Muttertag steht vor der Tür! Dieser Tag führt uns wie kein anderer ein ums andere Mal die eine Beziehung in unserem Leben vor Augen, die so ganz anders ist als die zu unserem Vater, unseren Geschwistern, Partnern und Freunden: die zu unserer Mutter.

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S I L I A    W I E B E    –    U N S E R E    M Ü T T E R .
W I E    T Ö C H T E R    S I E    L I E B E N    U N D    M I T    I H N E N    K Ä M P F E N

 – Rezensionsexemplar*  –

„Nicht jammern, weil wir es als Kind schwerer hatten, sondern die Schublade aufziehen, die verletzten Gefühle rausholen, anschauen, annehmen und dann heilen lassen.

Silia Wiebe | Unsere Mütter | Vorwort

 

Mütter und ihre Töchter – sie verbindet eine Beziehung, die ganz besonders ist. Manchmal besonders innig, besonders eng, aber manchmal auch besonders erdrückend oder aufreibend. Aber wir vergessen auch ganz oft, dass Mütter und Töchter nicht nur das sind – eine Mutter, eine Tochter – sondern Frauen. Starke Frauen, schwache Frauen, egoistische und selbstlose Frauen. In ihrem Buch „Unsere Mütter. Wie Töchter sie lieben und mit ihnen kämpfen“, gibt Silia Wiebe verschiedenen Töchtern eine Stimme. Sie erzählen von ihren Müttern, und davon, wie sie sie in verschiedenen Situationen ihres Lebens geprägt haben und wie sie schließlich auf verschiedenen Wegen lernten, ihre Hand loszulassen und welche Kraft es erforderte, den eigenen Weg zu gehen.

„Und manchmal sind unsere Wunden, so formuliert es Hermann Hesse in Siddhartha, auch nicht dazu da, um in ihnen zu wühlen; sie sollen zur Blüte werden und strahlen.“ – Vorwort aus ‘Unsere Mütter’

Ich finde, das Thema der Mutter-Tochter-Beziehung ist ungemein faszinierend und spannend. Wie viel uns mit dem Menschen verbindet, der uns unter Schmerzen zur Welt brachte (und all die Zusammenhänge, von denen wir vielleicht noch nicht mal ansatzweise etwas ahnen!), und dass auch die Vergangenheit unserer Mütter das eigene Leben wie ein roter Faden durchziehen kann, das erzählen einem die einzelnen Geschichten in diesem biographischen Erzählband.
Und es sind Geschichten, wie sie nur das Leben schreiben kann. Die Frauen in Wiebes Erzählband sind kulturell so verschieden, variieren in Alter und Lebensgestaltung, und doch ist da eines, das sie alle verbindet: die Beziehung zu ihren Müttern. Silia Wiebe hat hier mit viel Fingerspitzengefühl ganz persönliche Geschichten und Schicksale aneinandergereiht und ein Bild von Mutterschaft – und damit auch Tochter-sein- geschaffen.

Bevor sie bei Konflikten urteilt, sich aufregt oder überhaupt irgendetwas tut, stellt sie sich eine kleine Triangel vor. Jede der drei Ecken hat eine Bedeutung, nämlich „meins“, „seins“, und „das Universum“. Sie sagt: „Ich frage mich immer zuerst: Ist es meins, ist es seins oder ist es Sache des Universums?“ – aus: ‘Unsere Mütter’

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Wie jede Beziehung zu einem Menschen, der einem sehr nahe ist und den man sehr liebt, ist auch die Beziehung zur eigenen Mutter etwas, das einen Großteil unseres Lebens bestimmt. Es ist wie der Untertitel des Buches schon sagt: Man liebt sie und man kämpft mit ihr. Und das selbst dann, wenn die eigene Mutter vielleicht gar keine große Rolle im eigenen Leben spielt, wie man aus einigen Erzählungen im Buch herauslesen kann. Man liest von schlimmen Schicksalen, von einer tiefen Liebe, von Abhängigkeit und von Freiheitsdrang, und einige der Geschichten haben mich so berührt, dass die Tränen nur so kullerten. In kürzester Zeit hatte ich das Buch beendet, und war traurig, und glücklich und hoffnungsvoll zugleich – und vor allem ganz schrecklich dankbar für meine eigene Mama.

Und die drei großen Botschaften, die dieses Buch durchziehen, waren für mich so selbstverständlich wie gleichzeitig Augen öffnend: 1) Man liebt seine Mutter, no matter what – und andersherum ist es genauso; 2) Trotzdem müssen Mütter und Töchter auch ‘einfach nur’ Frauen sein dürfen; 3) Und nur wer sich selbst liebt, kann andere so lieben, wie sie es verdienen.

Als Abrundung der persönlichen Geschichten der Frauen jeden Lebensalters erfährt man in einem abschließenden Interview mit Stefanie Stahl, der Autorin von „Das Kind in dir muss Heimat finden“, ein bisschen mehr über die ganz besondere Beziehung zu unseren Müttern – und wie uns das Stöbern in unserer Kindheit dabei helfen kann, frei zu werden. “Unsere Mütter”  ist ein für mich sehr schönes und faszinierendes Buch, das in mir die Lust geweckt hat, ein bisschen mehr in diesem Bereich zu recherchieren.



*Vielen herzlichen Dank an den Klett Cotta Verlag und NetGalley für das elektronische Rezensionsexemplar!



Autor:   Silia Wiebe
Titel:     Unsere Mütter. Wie Töchter sie lieben und mit ihnen kämpfen.
Verlag:  Klett Cotta Verlag
Jahr der Veröffentlichung dieser Ausgabe: 2019
Seiten:     224
Genre:     [Biographischer Erzählband]

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