Ida liest sich nach Mittelerde · Idas Leseprojekte

Ida liest sich nach Mittelerde | 3 | Der Herr der Ringe – Die zwei Türme

„In einer Höhle in der Erde, da lebte ein Hobbit.“ Mit diesem Satz hat für mich im Januar eine Reise begonnen, wie sie fantastischer nicht sein kann. Denn dieses Jahr geht es für mich in die wunderbare Welt von J.R.R. Tolkien, in die Welt der Hobbits und Zauberer, der Zwerge, Elben und Orks und anderen fantastischen und teilweise grauenerregenden Wesen. Kurz, es geht nach Mittelerde. Viele Jahre nach dem ersten Abenteuer mit dem Hobbit Bilbo Beutlin und seiner wackeren Truppe bin ich mit Bilbos Neffe Frodo und den Gefährten zu einer waghalsigen und gefährlichen Reise aufgebrochen. Nun ging das Abenteuer weiter, und die Reise wurde immer düsterer. Macht es euch gemütlich und hört, was ich von der Reise zu berichten habe.

 

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J .  R .  R .   T O L K I E N    –    D E R    H E R R    D E R    R I N G E
D i e    z w e i    T ü r m e


„Wer weiß?“, sagte Gandalf. „Habt Geduld! Geht den Weg, den ihr gehn müsst, und verliert nicht die Hoffnung!“

J.R.R. Tolkien  | Der Herr der Ringe: Die zwei Türme  | S. 125


Spoiler Alert – Dies ist der zweite Band einer Reihe! Falls ihr vorhabt, die Reihe noch zu lesen, findet ihr hier womöglich Spoiler zum ersten Band!

Ich kann kaum glauben, wie schnell die Zeit vergeht und welchen Weg die Gefährten bereits zurückgelegt haben. Seit Bilbo den Ring der Macht an sich brachte, ist so viel passiert, und nach dem Cliffhanger der letzten Reise, der die Gefährten räumlich voneinander trennte, konnte ich es kaum erwarten, meinen Wanderstab zu schnappen und jedem einzelnen der Gefährten zu folgen.

Gandalf ist fort, und damit schien die Gruppe der Gefährten schon erste Risse bekommen zu haben. Und mit dem Angriff der Orks wurde die wackere Reisetruppe nun vollständig auseinandergerissen. Jetzt befinden sich Aragorn, Legolas und Gimli auf der Suche nach den von Orks entführten Hobbits Merry und Pippin, während Sam und Frodo die schwierigste Aufgabe von allen bevorsteht: den Ring zum Schicksalsberg zu bringen und in dessen Flammen zu vernichten. Jeder der Gefährten muss nun entscheiden, welchen Weg er gehen wird, wem er folgen will und keiner von ihnen kann voraussehen, welche Kämpfe noch auszufechten sind.

In diesem Teil der Geschichte hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, dass das Dunkel der bösen Machenschaften während der Reise auf ganz subtile Art und Weise immer näher rückte und auch die Handlung in immer düstere Farben tauchte. Und trotzdem verlor ich nie das Gefühl, dass irgendwo noch ein Silberstreif der Hoffnung für die Gefährten und damit für Mittelerde leuchtet. Das liegt zum einen an der lebensbejahenden und herzensguten Art der Hobbits, an der die Dunkelheit zwar nagt, die sie aber nicht komplett verschlingen kann.

„Ja, wenn man es recht bedenkt, sind wir immer noch in derselben Geschichte! Sie geht weiter. Nehmen denn die großen Geschichten niemals ein Ende?“
„Nein, als Geschichten nehmen sie kein Ende“, sagte Frodo. „Aber die Leute in den Geschichten kommen und gehen – wenn ihr Kapitel zu Ende ist. Unser Kapitel ist auch irgendwann zu Ende – später oder früher.“
„Dann können wir uns einsteilen noch ein bisschen erholen und schlafen“, sagte Sam.

Und wieder muss ich mich absolut für Tolkiens Erzählweise aussprechen. Ich bin begeistert davon, wie mich die Geschichte auf jeder einzelnen Seite fesselt, dass ich unbedingt erfahren will, was mit den Gefährten geschieht. Und das, obwohl ich aufgrund der Verfilmung bereits weiß, wie die Handlung verläuft! Seine Worte berühren und bewegen mich, ich fiebere mit und bin absolut fasziniert von der Art, wie Tolkien in ‚Der Herr der Ringe‘ Worldbuilding betreibt. Man hat eine vage Ahnung davon, wie diese Welt funktioniert, und man sieht sie mit den Augen der Protagonisten – und teilweise sind bestimmte Aspekte verschleiert, zum eigenen Schutz, wie man als Leser bald merkt.

„Dort, tief unter der belebten Erde, wo die Zeit nicht gezählt wird, kämpften wir miteinander. Immer wieder umklammerte es mich, und immer wieder hieb ich auf es ein, bis es schließlich in dunkle Stollen entfloh – keine, die Durins Volk gegraben hat, Gimli Glóinssohn. In der Tiefe, weit unter den tiefsten Schächten der Zwerge, nagen Wesen an der Welt, die keinen Namen haben. Selbst Sauron kennt sie nicht. Sie sind älter als er. Nun bin ich dort gewesen; doch ein Bericht von dort würde das Licht des Tages verdunkeln.“ – S. 126

Mein Herz brach gegen Ende des Buches für den armen Sam, und wieder war es die Art, wie Tolkien den Schmerz meines Lieblings-Hobbits in Worte fasst, der mich unglaublich berührte: “Da warf er sich zu Boden und zog sich die graue Kapuze über den Kopf. In seinem Herzen wurde es Nacht, und er wusste von nichts mehr.” ( S. 427) Vieles an ‚Die zwei Türme‘ ist spannend, aufregend, bewegend, aber auch lustig und vor allem eines: weise. Ob es nun Sam ist, der anspricht, was ihm wirklich wichtig ist:

„Und genauso meine ich’s, Herr Frodo, ganz gewöhnliche Dinge, Ruhe und Schlaf und morgens erwachen, um im Garten an die Arbeit zu gehn. Tut mir leid, das ist alles, was ich mir die ganze Zeit wünsche.“ – S. 403

Oder ein Krieger, der anderen zeigt, worum es für ihn geht, wenn er mit gezogener Waffe in den Kampf zieht und sein Leben riskiert:

„Krieg muss sein, solange wir gegen einen Vernichter, der alles verschlänge, um unser Leben kämpfen; aber ich liebe das blanke Schwert nicht um seiner Schärfe, den Pfeil nicht um seiner Schnelligkeit und den Krieger nicht um seines Ruhmes willen. Ich liebe nur, was sie verteidigen.“ – S. 349

Genau deshalb liebe ich die Reihe so: Sie ist vielschichtig und vielseitig und man entdeckt auf jeder Seite etwas neues, in das man sich verlieben kann, worüber man staunen oder lachen kann oder das einen so in seinen Bann schlägt, dass man gar nicht mehr aufhören kann zu lesen.

Wie schon beim ersten Band war ich nervös, die Geschichte um den Ring fortzusetzen und ich kann gar nicht sagen, wie froh ich bin, dass ich die Reise zu Beginn des Jahres angetreten habe. Sie hat meine Vorstellungen von Geschichten und Abenteuern erweitert und mir bis jetzt unglaublich viel Freude beschert. Gerade stecke ich mittendrin im letzten großen Abenteuer, in den Irrungen und Wirrungen des Ringkrieges, der alles verändern soll – und ich fiebere dem Ende entgegen und hoffe gleichzeitig, dass diese Geschichte niemals endet.

 


Autor:   J.R.R. Tolkien
Titel:     Der Herr der Ringe: Die zwei Türme
Reihe:    Der Herr der Ringe, Band 2
Verlag:  Klett-Cotta
Jahr der Veröffentlichung: 1966 [Diese Ausgabe: 2002]
Seiten:   441

 



 

D I E    R E I S E    N A C H    M I T T E L E R D E    B E G I N N T !

  1.     Der kleine Hobbit
  2.     Der Herr der Ringe: Die Gefährten
  3.     Der Herr der Ringe: Die zwei Türme
  4.     Der Herr der Ringe: Die Wiederkehr des Königs
  5.     Das Silmarillion
  6.     Die Kinder Húrins
  7.     Der Fall von Gondolin
  8.     Beren und Lúthien

9 thoughts on “Ida liest sich nach Mittelerde | 3 | Der Herr der Ringe – Die zwei Türme

  1. Liebe Ida,
    jetzt bist du mir tatsächlich schon davongeprescht! Ich muss auch endlich wieder zurück nach Mittelerde, ich wollte schon so lang… Tolle Besprechung, da möchte ich glatt auch wieder meine Wanderschue rauskramen! 😀

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