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Rezension | Alan Bradley – Flavia de Luce: Mord im Gurkenbeet

“Ich hab im Gurkenbeet eine Leiche gefunden“, verkündete ich.
„Das sieht dir mal wieder ähnlich.“ Ophelia zupfte sich ungerührt weiter die Augenbrauen.
Alan Bradley | Flavia de Luce #1 | S. 43

Was gibt es Schöneres, als bei nasskaltem Wetter einen guten Krimi zu lesen, der mit dem vielversprechenden Satz beginnt: ‘Im Wandschrank war es so dunkel, und die Dunkelheit hatte die Farbe von altem Blut’? So startet der Auftakt einer mittlerweile aus 9 Bänden bestehende Reihe um die elfjährige Flavia de Luce, die liebenswerteste Giftmischerin, die die Welt kennt. Gewieft und unendlich wissbegierig geht sie Rätseln – und mit besonderer Vorliebe Morden – auf den Grund und scheut sich nicht vor dem Nervenkitzel der Gefahr.

In ihrem ersten Abenteuer entdeckt Flavia eine Leiche im heimischen Gurkenbeet. Was darauf folgt, ist eine irrwitzige Abenteuerfahrt, die aus der Sicht Flavias erzählt wird und die einen bis zur letzten Seite garantiert nicht mehr loslässt. Denn spätestens als Flavias Vater, Colonel de Luce, als Verdächtiger aufs Polizeirevier muss, setzt Flavia alles daran, seine Unschuld zu beweisen und den Mörder zu überführen, auch wenn sie dafür in verbotene Winkel schlüpfen muss.

„Ich würde gerne behaupten, dass ich mich gefürchtet hätte, aber das stimmt nicht. Ganz im Gegenteil. Es war das mit Abstand Spannendste, was ich je erlebt hatte.“
Alan Bradley | Flavia de Luce #1 | S. 37

Selbst wenn man Krimis normalerweise nicht mag, bietet Flavia de Luce alles, was man für eine herrlich unterhaltsame und spannende Geschichte braucht. Zum einen natürlich eine geniale, naseweise Protagonistin, die trotz (oder gerade wegen) ihrer gerade mal elf Jahre jeden Meisterdetektiv in den Schatten stellt und in ihrer Freizeit in ihrem eigenen Labor auf dem Dachboden Gifte mischt und andere Experimente vollführt. Zudem ist jede Zeile dieses wunderbaren Buches mit schwärzestem britischem Humor getränkt, ganz ähnlich wie eine große, dampfende Tasse tiefschwarzen Kaffees, der am Morgen alle Sinne wachkitzelt – und das ist genau die Form von Humor, die ich in Büchern so liebe! Und zu guter Letzt gibt es einen spannenden Fall, dem man als Leser gebannt folgt – und mit Flavia gemeinsam der Lösung entgegenradelt.

Was mich zu meinem nächsten Punkt bringt: Der Weltenaufbau ist Alan Bradley meiner Meinung nach bereits im ersten Buch hervorragend gelungen. Zumindest habe ich das Gefühl, als wäre ich selbst auf Buckshaw, dem altehrwürdigen Gemäuer der de Luces, groß geworden oder hätte zumindest viele Sommer im nicht weit entfernten Bishop’s Lacey an Flavias Seite verbracht, hätte mich in der Bibliothek mit Flavia durch Bücher und Zeitungsartikel gewühlt oder eine Nacht im Dreizehn Erpel verbracht. Schon nach wenigen Seiten ist mir Flavia mit all ihrer Wissbegier so sehr ans Herz gewachsen, und in meinem Kopf stelle ich sie mir insgeheim als eine fröhliche Version von Wednesday Addams mit etwas rosigeren Wangen vor.

„Wenn ich etwas gründlich verabscheue, dann ist es die Anrede ‚mein Liebes‘. Wenn ich einmal mein Opus Magnum mit dem Titel Eine Abhandlung über sämtliche Gifte schreibe und bei ‚Zyankali‘ ankomme, vermerke ich unter ‚Anwendung‘ garantiert: Besonders wirksam bei der Behandlung all derjenigen, die einen ‚mein Liebes‘ nennen.“
Alan Bradley | Flavia de Luce #1 | S. 71

Großartige und vor allem glaubhafte Figurenzeichnung, ein atmosphärisches Setting, ein spannendes Rätsel, das gelöst werden will und Flavia, die das Herz des ganzen Buches ist: es ist ein Krimi, den ich jedem aufs Wärmste empfehlen kann und freue mich riesig auf jeden weiteren Band, der noch darauf wartet, von mir gelesen zu werden.

 


Autor:    Alan Bradley
Titel:      Flavia De Luce: Mord im Gurkenbeet
Reihe:    Flavia De Luce, #1
Verlag:  Blanvalet
Jahr:      2009
Seiten:    383
[Genre:  Krimi | Historische Fiktion]


Die Reihe besteht momentan aus insgesamt 9 Bänden:

  1. Flavia De Luce: The Sweetness at the Bottom of the Pie [Mord im Gurkenbeet]
  2. Flavia De Luce: The Weed That Strings the Hangman’s Bag [Mord ist kein Kinderspiel]
  3. Flavia De Luce: A Red Herring Without Mustard [Halunken, Tod und Teufel]
  4. Flavia De Luce: I Am Half-Sick of Shadows [Vorhang auf für eine Leiche]
  5. Flavia De Luce: Speaking from Among the Bones [Schlussakkord für einen Mord]
  6. Flavia De Luce: The Dead in Their Vaulted Arches [Tote Vögel singen nicht]
    6. 5 Flavia De Luce: The Curious Case of the Copper Corpse [Das Geheimnis des kupferroten Toten]
  7. Flavia De Luce: As Chimney Sweepers Come to Dust [Eine Leiche wirbelt Staub auf]
  8. Flavia De Luce: Thrice the Brinded Cat Hath Mew’d [Mord ist nicht das letzte Wort]
  9. Flavia De Luce: The Grave’s a Fine and Private Place [Der Tod sitzt mit im Boot]
  10. Flavia De Luce: The Golden Tresses of the Dead [Erscheint 2019]
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7 thoughts on “Rezension | Alan Bradley – Flavia de Luce: Mord im Gurkenbeet

  1. Huhu liebe Ida!
    Hachja, die Flavia. ♥ Man muss sie einfach mögen und ich bin so froh, dass es dir damit genauso erging. Ich finde Flavia ist ein absoluter Wohlfühl-Krimi mit einer fantastisch gezeichneten Familie, die in all ihrer Boshaftigkeit doch auch etwas versteckt-liebevolles hat. Auf mich warten auch schon zwei noch ungelesene Bände daheim, ich dacht, ich les sie im November auch noch – mal schauen, ob der Plan gelingt!

    Liebe Grüße!
    Gabriela

    Liked by 1 person

    1. Hallo liebe Gabriela!

      ‘Wohlfühl-Krimi’ trifft es ins Schwarze ❤ Ich bin momentan mitten im zweiten Band, und er gefällt mir einfach so gut – Flavia ist eindeutig genau das richtige für den Lesenovember. 🙂 Deshalb drücke ich dir ganz doll die Daumen, dass du noch dieses Jahr mit Flavia auf Lesereise gehen kannst und wünsche dir ganz viel Spaß beim Lesen! ❤

      Liebste Grüße und dir einen schönen Abend,
      Ida

      Liked by 1 person

  2. Liebe Ida,
    ich habe bisher noch keines der Bücher gelesen und habe bisher auch nicht den Reiz dazu verspürt. Das ändert sich nun mit deiner Rezension. Ich lese ja eigentlich nicht so oft Krimis, so gut wie gar nicht ehrlich gesagt, aber irgendwie klingt dieser doch sehr witzig und interessant.
    Mal schauen, ob das Buch den Weg bald in mein Regal findet ❤
    Alles Liebe,
    Janika

    Liked by 1 person

    1. Liebe Janika,

      Das kann ich verstehen! 😀 Auf Krimis muss ich irgendwie immer Lust haben und greife nur ganz selten nach dieser Art von Buch… aber Flavia ist einfach so anders, so unterhaltsam und im höchsten Maße witzig, dass ich gar nicht anders kann als immer weiter und weiter zu lesen. 😀
      Und wenn man bedenkt, dass ‘Flavia’ schon vor Jahren im Regal meiner Schwiegermama in spe stand und es mich nie wirklich gereizt hat… tjaja, da braucht es nur eine einzige Rezension und man hat etwas ganz, ganz tolles entdeckt. ❤

      Liebste Grüße,
      Ida

      Liked by 1 person

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