Ida schreibt

#WritingFriday [10]: “Du.”

Nachdem ich letzte Woche völlig uninspiriert war und deswegen den Writing Friday von Elizzy sausen lassen musste, startet der heutige #WritingFriday bei mir mit einer ganz verzwickten Aufgabe:

„Beschreibe Gesicht und Gestik eines Menschen, den du liebst.“

Verzwickt deshalb, weil ich mich erst gar nicht entscheiden konnte, welchen geliebten Menschen ich beschreiben möchte. Ich habe mich dann doch für meinen Freund entschieden, der mich jetzt schon seit 9einhalb Jahren ertragen darf. 😉 Zur Abwechslung ist es diesmal relativ kurz geworden – aber in der Kürze liegt ja bekanntlich die Würze. Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen! 



„Du.“

Es ist ein Tag wie jeder andere, und ich sitze dir gegenüber. Der kleine Küchentisch ist übersät mit den üblichen Geräten, kleinen Schrauben, Notizbüchern, einem Hammer und einem Buch. Eine Teetasse steht dampfend auf der geblümten Tischdecke und es riecht angenehm nach frisch gebackenem Brot. Eigentlich wollte ich in meinem Buch weiterlesen, den ganzen Tag habe ich mich schon darauf gefreut. Und jetzt sitze ich hier und schiele immerzu zu dir herüber. Du magst es nicht, wenn ich dich so ‚anstarre‘. Aber ich starre nicht, ich will alles an dir in mich aufsaugen. Jedes Lachfältchen, jede Sorgenfalte, jedes Lächeln und jede Bewegung von dir will ich für immer abspeichern. Konzentriert hantierst du an einem deiner vielen Projekte. Deine Sorgfalt und millimetergenaue Arbeitsweise ist faszinierend. Wo ich mit wilder Leidenschaft meine Gliedmaßen in alle Richtungen schmeiße und bei kleiner Fitzelarbeit in ungeduldiges Schnaufen und Augenrollen ausarte, runzelst du die Stirn, kneifst die Augen zusammen und beißt dir auf die Unterlippe. Du richtest dich auf, verschnaufst kurz, seufzt und lässt deine Schultern rotieren, ehe du dich wieder in deine Bastelleidenschaft stürzt. Ich blicke wieder auf die Seite vor mir, auf die Zeilen, die ich schon zum dritten Mal lese – und doch nicht lese. Vor meinen Augen sehe ich nur dich, wie du lachst und wie du schreist und wie du weinst. Alles an dir kenne ich, liebe ich, berührt mich, auch nach all den Jahren. Ich denke an all unsere Abenteuer, eng umschlungen mitten im kalten See und ich so ängstlich vor den Fischen unter uns, die nur darauf warten, mir die Zehen abzuknabbern. Frühlingsgrün leuchtend und bernsteinumwölkt glitzert der Schalk in deinen Augen, ich sehe es vor mir, als würde ich gerade in diesem Moment baden, kaltes Wasser und dein Lachen in meinen Ohren, oh dein Lachen – so hell wie ein Bach zwischen rauschenden Wipfeln. Dein Flüstern in meinem Ohr, deine Hand in meiner. Lippen, so weich wie Blütenblätter im Sommerwind. Schreinerhände, Tüftlerfurchen auf deiner Stirn und die ersten silbrigen Haare, die ich so liebe. In der ersten Reihe durfte ich dabei sein und dabei zusehen, wie aus dir der Mann wurde, der du jetzt bist.
Jetzt blickst du zu mir auf, ein fragendes „Hm?“ auf den Lippen. Das Grinsen, das sich in deinen Mundwinkeln zu verbergen versucht, sagt mir, dass du genau weißt, dass ich dich schon wieder anstarre. Dass ich wieder Momente konserviere und in alten bade. Und ich schüttle nur den Kopf und lächle. „Nichts“, sage ich. Und es ist doch so, so viel mehr als nichts.


Text: Ida


Hier kommt ihr zu meinem letzten WritingFriday-Beitrag:

#WritingFriday [9]: “Sternschnuppe am Firmament”

13 thoughts on “#WritingFriday [10]: “Du.”

  1. Liebe Ida, welch wunderschöne Liebeserklärung an deinen Freund ❤ da kann er sich wirklich glücklich schätzen! Solche Beiträge mag ich ja am aller liebsten 😀
    Hab einen schönen Tag!

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    1. Liebe Elizzy!
      Das freut mich, wenn es dir gefallen hat 🙂 Ich dachte, es würde mir schwerer fallen ihn so zu beschreiben, dass es auch meinen Gefühlen für ihn gerecht wird, aber eigentlich war es doch ziemlich leicht, meine Liebe auszudrücken ❤
      Dir auch einen wunderbaren Freitag – und einen tollen Start ins Wochenende!

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  2. Hallo Ida!
    Obwohl ich dich überhaupt nicht kenne, finde ich dich jedes Mal aufs Neue aus der digitalen Ferne so sympathisch! Die Worte, die du wählst und die Standpunkte, die du vertrittst, sind mir irgendwie ganz vertraut und sehr harmonisch.
    Wörter sagen eben doch sehr viel aus über den Menschen 🙂

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    1. Oh, ich danke dir für diesen absolut lieben Kommentar! ❤ Es ist ein so schönes Gefühl, wenn man mit seinen Worten die Herzen anderer Menschen erreicht – vor allem, wenn man bedenkt, welche räumlichen Distanzen sich dabei überbrücken lassen! 🙂 Und du hast absolut recht – wie man schreibt/spricht sagt ganz viel über einen selbst aus!
      Hab einen wundervollen Tag! ❤

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  3. Liebe Ida,
    bei deiner Liebeserklärung bin ich dahingeschmolzen. Nicht nur, weil man deine tiefe Zuneigung zu deinem Freund so sehr spürt, sondern weil du sie erneut in wundervolle Worte gekleidet hast. Ich könnte noch so viel mehr von dir lesen!
    Liebe Grüße,
    Anna

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    1. Liebe Anna,
      wie lieb von dir! ❤ Ich finde es immer wieder spannend, wie man seine Gefühle letztendlich aufs Papier bringt – und welche kleinen, wunderbaren Eigenheiten einem dann beispielsweise einfallen, die man sonst vielleicht nicht direkt auf dem Schirm gehabt hätte, oder die im Strudel der Zeit beinah verloren gegangen wären, obwohl man sie doch jeden Tag direkt vor sich hat. 🙂
      Liebste Grüße,
      Ida

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