Idas Teekränzchen · Neuzugänge

Idas Teekränzchen #14 | Mitbringsel aus dem offenen Bücherschrank

Dass es offene – oder öffentliche – Bücherschränke gibt, weiß ich bereits seit geraumer Zeit. Aber in letzter Zeit habe ich immer wieder den einen oder anderen Beitrag gesehen, der sich um genau solche Bücherschränke dreht. Das Prinzip ist so einfach wie genial: an einem öffentlichen Platz steht ein Bücherschrank, der als eigene Tauschbörse funktioniert. Gefällt dir ein Buch, das darinsteht, nimmst du es gebührenfrei mit. Im Gegenzug stellst du ein anderes Mal ein Buch dazu, dass du ausgelesen hast und mit der Welt teilen möchtest. Meistens befinden sich in solchen Bücherschränken Bücher, die jemand nicht mochte und loshaben möchte. Und das ist auch völlig ok so – denn da ja bekanntlich die Geschmäcker verschieden sind, kann man so jemandem eine Freude machen, dem das Buch eher zusagen würde als einem selbst.

Wie es der Zufall so will, bin ich beim letzten sonnigen Sonntagsspaziergang mitten in einem der kleinen Käffer auf ein Bushäuschen mit integriertem offenen Bücherschrank gestoßen, der den Wartenden die Zeit auf den Bus verkürzen soll. In den Tiefen des Schrankes befand sich allerlei interessante Lektüre – vom Insektenratgeber über Bilderbücher, schwere Kost neben leichter Sommerromanze. Aus all dieser Vielfalt sind mir drei Bücher ins Auge gestochen, die ich dann auch sogleich mit freudigem Quietschen in meine Arme schloss und mich den restlichen Weg über wie Gollum (nur wärmer angezogen) über meinen errungenen Schatz freute.

Bertolt Brecht: Mutter Courage und ihre Kinder

Klappentext: »Mutter Courage und ihre Kinder«, eine Chronik aus dem Dreißigjährigen Krieg. »Was eine Aufführung von Mutter Courage«, schrieb Brecht einmal, »hauptsächlich zeigen soll: Daß die großen Geschäfte in den Kriegen nicht von den kleinen Leuten gemacht werden. Daß der Krieg, der eine Fortführung der Geschäfte mit anderen Mitteln ist, die menschlichen Tugenden tödlich macht, auch für ihre Besitzer. Daß er darum bekämpft werden muß. (Quelle: GoodReads)

Diesen Klassiker wollte ich mir schon immer mal vornehmen, besonders deshalb, weil ich ihn weder in der Schule noch in einem meiner Kurse an der Uni als verpflichtende Lektüre lesen musste. Und da mir aufgefallen ist, dass ich den von mir für den März ausgewählter Klassiker bereits vor einem Jahr gelesen habe, habe ich nun würdigen Ersatz dafür. Das Cover war allerdings derart verunstaltet, dass ich dem Buch kurzerhand ein neues Kleid gegeben habe.

John Saul: Kind der Hölle

Klappentext: Ein Pakt mit dem Teufel. Als die Conways eine prachtvolle alte Villa erben, ahnen sie nichts von der dunklen Vergangenheit des Hauses. Auf grausame Weise erhängte sich hier der Onkel von Ted Conway. Bald schockieren Verbrechen die Kleinstadt, und die Familienbibel der Conways offenbart Grauenhaftes: Der älteste Sohn ist dem ‚Bösen‘ geweiht, und nur seine Zwillingsschwester kann dem Albtraum ein Ende bereiten.

John Sauls Horrorbücher habe ich mit 12 Jahren geradezu verschlungen und mich danach nächtelang zu Tode gegruselt. Damals war ich aber auch so ein Freak, da habe ich auch nachts kurz vor Mitternacht Horrorbücher gelesen. Deshalb konnte ich natürlich nicht nein sagen, als das Buch da so da stand, schon allein der guten alten Zeiten Willen.

Stephen King: Der Werwolf von Tarker Mills

Klappentext: Nachts, wenn der Vollmond aufsteigt, kannst du sein Heulen hören. Dann ist es bereits zu spät für dich … Dieses Buch enthält die vollständige Geschichte “Das Jahr des Werwolfs”, die Stephen King im Stil alter Kalendergeschichten erzählt und die sein Freund Berni Wrightson großartig illustriert hat (Zwölf Farb-Tafeln und sechsunddreißig Schwarzweiß-Zeichnungen); ein Vorwort von Stephen King, wie es zu der Geschichte und zu der Verfilmung kam, das vollständige von Stephen King verfasste Drehbuch zhum Film “Der Werwolf von Tarker Mills”, sowie zahlreiche Bilder aus dem Film. (Quelle: GoodReads)

Ein Stephen King, den ich noch nicht gelesen habe und von dem ich auch nur mal am Rande etwas mitbekommen habe? Klares Kriterium zur Mitnahme! Mein letzter King ist auch schon eine Weile her, obwohl auch auf meinem Stapel ungelesener Bücher noch zwei weitere darauf warten, gelesen zu werden – ich sehe das jetzt einfach als Zeichen, mich wieder bei strahlendem Sonnenschein dem Grusel von Stephen King hinzugeben.


Habt ihr in der Nähe eures Wohnortes offene Bücherschränke? Und wenn ja, nutzt ihr die dann auch gelegentlich? Und – mal ehrlich – nehmt ihr euch nur Bücher heraus oder stellt ihr auch ab und an wieder welche dazu? Ich werde mich jetzt auf jeden Fall daran machen, einige meiner Bücher auszusortieren, damit jemand anderes noch einmal Freude daran haben kann.

Euch eine schöne Restwoche – und falls ihr Gelegenheit dazu habt, stöbert doch mal in einem offenen Bücherschrank! Ihr werdet euch wundern, was da für Schätze auf euch warten…
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15 thoughts on “Idas Teekränzchen #14 | Mitbringsel aus dem offenen Bücherschrank

  1. Grundsätzlich finde ich das Prinzip der Bücherschränke eine sehr gute Idee, bei mir steht allerdings tatsächlich nur Schund drin, vom Kochbuch aus dem Jahr 1964 bis zur kitschigen ROmanze. Das ist echt schade, andererseits habe ich, wenn ich drüber nachdenke, auch nur Bücher hineingestellt, die ich nicht mochte, also so ganz ausgereift ist das leider noch nicht. Aber von den Büchern, die ich mochte, kann ich mich beim besten Willen nicht trennen… Mein Regal quillt regelrecht über und zwar auch mit kitschigen Jugendromanen, die ich garantiert nicht mehr lesen werde, aber wenn ich weiß, dass ich das Buch verschlungen, tausendmal oder auch nur einmal gelesen habe, dann will ich es einfach nicht weggeben 🙂

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    1. Da kann ich dich absolut verstehen! 😀 Ich würde mich auch niemals von Büchern trennen, die ich wirklich mochte. Ich habe jetzt beispielsweise Bücher herausgesucht, die ich zwar gern gelesen habe, von denen ich aber weiß, dass ich sie ganz sicher kein zweites Mal lesen werde, weil die Erwartungen dann doch nicht so erfüllt wurden, wie ich es gerne gehabt hätte 😀 Also ist die Chance relativ groß, dass diese Bücher anderen besser gefallen als mir. Und der Zustand ist auch noch mehr als ok.
      Solange der offene Bücherschrank nicht als billige Abladestation für ungeliebte alte Kochbücher oder Liebesschnulzen benutzt wird, ist wirklich nichts daran auszusetzen – aber meist landen dann tatsächlich eben solche Bücher in diesen ‘Leihbibliotheken’, weil die von der breiten Masse geliebten und neueren Bücher gern verkauft werden. Ich denke mir meist: selbst aus den ungeliebtesten Büchern kann man am Ende eventuell noch etwas machen – zum Beispiel (ganz blöd gesagt) indem man das Papier zum Basteln verwendet. 🙂

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      1. Ja da hast du Recht…und bringst mich auf Ideen, vielleicht sollte ich schlechte Bücher einfach meinen sehr kleinen Brüdern andrehen, sie und ihre Bastelscheren hätten bestimmt gute Verwendung dafür …:-)
        Nein Quatsch! Obwohl auch ich mal mit zackigen Scheren ein wahres Kunstwerk aus wichtigen Dokumenten meines Vaters, die es nur ein mal gab, geschafft habe 🙂

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      2. Haha, ach ja, die guten alten Zacken-Scheren, die so lustige Muster in wichtige Dokumente schneiden.. da kann ich auch ein Lied von singen! 😀 Die Schnittmuster wirken aber auch so schön, wenn damit wichtige Sachen zerschnitten werden. 😀

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    2. Ich habe die offenen Bücherschränke z.B. genutzt, um bei meinem Umzug Bücher abzugeben, die ich wirklich schon seit Jahren nicht mehr lese (weil Jugendbücher o.ä.), die aber trotzdem gut sind. Aber ja, zwischendrin steht immer einiges an Schund…

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      1. Dafür sind offene Bücherschränke natürlich ideal! Deshalb ist die Chance auch gar nicht mal so klein, dass zwischen all dem Schund noch ein literarischer Schatz zu finden ist 🙂

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  2. Hey Ida,

    ich liebe Bücherschränke. Nur leider steht keiner in meiner Nähe. Vielleicht sollte ich selbst einen eröffnen? Haha, dann kann ich mit mir selbst tauschen. 😛 Kleiner Scherz… Ich habe bis jetzt sowohl mitgenommen, als auch abgestellt. Allerdings eher sporadisch, da ich wie gesagt nur selten auf einen Treffe und den einzigen den ich öfter zu Gesicht bekomme … nun, der quillt über, weil ich wahrscheinlich die Einzige bin, die daraus etwas mitnimmt. Sehr schade. Aber ich denke in einer Stadt funktioniert das sicherlich besser, als auf dem Land. Also doch selbst einen eröffnen, hach, ich werde wohl nicht drum herum kommen. ^^

    Liebe Grüße
    Ella ❤

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    1. Liebe Ella,

      Au ja, mach’ am besten selber einen offenen Bücherschrank auf! 😀 Ich war auch sehr, sehr überrascht, dass bei uns auf dem Land vereinzelt offene Bücherschränke in Bushäuschen integriert werden! In größeren Städten in der Nähe kenne ich zwar auch einige Bücherschränke, aber daraus habe ich nur selten etwas mitgenommen. Wenn man öfter Bus fährt, ist das natürlich perfekt, wenn da einige ausrangierte Bücher die Wartezeit verkürzen 🙂 Also ich bin absolut dafür, dass du einen Bücherschrank bei dir eröffnest – es gibt bestimmt die eine oder andere Leseratte in deiner Nähe, die am Büchertausch mitmacht, damit du nicht mehr mit dir selber tauschen musst 😀

      Liebste Grüße,
      Ida ❤

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      1. Die Idee ist in der Tat ziemlich cool. Ich habe nur keine Ahnung, wie man so etwas organisiert. Da muss man sich bestimmt irgendwelche Genehmigungen einholen, um so etwas aufzubauen. Ich werde mich mal informieren. ^^

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      2. Das stimmt… wahrscheinlich muss man sich erstmal mit der Gemeinde auseinandersetzen und im Rathaus vorbeischauen – könnte ich mir zumindest vorstellen. Falls du mehr herausfindest, kannst du mich gerne auf dem Laufenden halten – das interessiert mich jetzt, ob man auch selber einen offenen Bücherschrank im eigenen Ort organisieren kann. 🙂

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  3. Hallöchen! Offene Bücherschränke sind echt etwas wunderbares! Wir haben hier in der näheren Umgebung sogar zwei und ich wusste bis vor Kurzem noch nicht mal etwas davon – Bis mich Wikipedia aufgeklärt hat, haha. Ich möchte dort auf jeden Fall bald mal vorbeifahren und ein paar meiner Bücher abgeben. Hoffentlich finde ich dabei auch solche Schätze wie du! ‘Der Werwolf von Tarker Mills’ habe ich vor Jahren auch mal gelesen – Schöner King für Zwischendurch. :]
    Beste Grüße, Isa.

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    1. Hallo liebe Isa!

      Da hast du absolut Recht! Ich habe auch immer nur am Rande von offenen Bücherschränken gehört, bis ich einmal direkt davor stand und ganz unsicher war, ob man da jetzt wirklich – ganz sicher? – ein Buch rausnehmen darf. xD Ich wünsche dir ganz viel Spaß bei deinem nächsten Ausflug zu einem offenen Bücherschrank – und drücke dir die Daumen, dass du ein paar Schätze findest!
      Auf das Buch von King freue ich mich schon wie ein Schnitzel, das steht diesen oder nächsten Monat noch auf der Leseliste.

      Liebste Grüße,
      Ida

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