Graphic Novel · Idas Regal der ausgelesenen Bücher

Halloween-Special: E.A. Poe – Unheimliche Geschichten (Schmuckausgabe)

„Ich fürchte wahrlich nicht <Die Gefahr> an sich – wohl aber ihre letzte Auswirkung, das Grauen. Und in diesem wehrlosen – diesem erbarmungswürdigen Zustand – fühle ich, daß früher oder später der Zeitpunkt eintreten muß, wo ich Verstand & Leben zugleich einbüßen werde, in irgend einem Ringkampf mit dem grimmigen Schattenwesen FURCHT!“

E.A. Poe – Unheimliche Geschichten: Der Fall des Hauses Ascher, S. 85

Halloween ist nur noch eine schummrige, von flackernden Kerzen erleuchtete Nacht entfernt – und was gäbe es da Besseres, als euch ein Buch vorzustellen, das so wunderbar wie gruselig und faszinierend wie morbide ist? Ich spreche hier von der unfassbar schönen Schmuckausgabe von „Unheimliche Geschichten“, eine Geschichtensammlung des Gruselmeisters des 19. Jahrhunderts, Edgar Allan Poe.

Schmuckausgabe: Illustriert von Benjamin Lacombe

Was dieses Buch in meinen Augen so ungemein wertvoll macht, sind nicht nur die unheimlichen Geschichten darin, sondern die Illustrationen von Benjamin Lacombe und die absolut liebevolle Gestaltung des Buches an sich. Ich liebe Lacombes Zeichnungen, weshalb sich auch andere von ihm illustrierte Schmuckausgaben in meinem Besitz befinden. Er schafft damit eine mysteriöse Atmosphäre, die den schaurig-schönen Grusel der Kurzgeschichten Poes noch unterstützt. Auch die Aufmachung dieses Buches mit sich abwechselnden tiefschwarzen und weißen Seiten, ist einmalig schön. Und erst das Cover – der samtig chwarze Einband fühlt sich seltsam weich an, und ein düsteres Relief umgibt die Zeichnung einer rot hinterlegten, trauernden jungen Frau. Der Buchrücken besteht aus grauem Leinenstoff und liegt wunderbar in der Hand.

Lacombe-Poe8

In dem Buch enthalten sind acht Kurzgeschichten:

  • Berenice ………………………………… (1835)
  • Der schwarze Kater ……………… (The Black Cat, 1843)
  • Das Eiland und die Fee ………… (The Island of the Fay, 1841)
  • Das verräterische Herz ……….. (The Tell-Tale Heart, 1843)
  • Der Fall des Hauses Ascher …. (The Fall of the House of Usher, 1839)
  • Das ovale Porträt …………………. (The Oval Portrait, 1842)
  • Morella …………………………………. (1835)
  • Ligeia ……………………………………. (1838)

Anschließend findet man erklärende Fußnoten (beispielsweise zu lateinischen Passagen im Text) und Biographien zu Edgar Allan Poe und Benjamin Lacombe. Allein die Biographie des Autors zu lesen, jagt einem einen Schauer über den Rücken und erklärt so manches Motiv in seinen Geschichten (hört euch das an: er heiratete damals seine 13-jährige, kränkliche Cousine, die früh starb und damit den tragischen Frauenfiguren in seinen Geschichten als Vorlage diente. Na, gruselt es euch schon?)
Zu meinen liebsten Schauergeschichten in diesem Buch gehören „Der schwarze Kater“ und „Berenice“, allerdings werde ich für Leser, die die Kurzgeschichten nicht kennen, hier nicht spoilern.

Bemerkenswert finde ich den Aufbau der Geschichten, und dass die meisten mit einem unerwarteten Plot-twist aufwarten, der einem gefühlt die Fußnägel hochrollt. Für den heutigen Leser des 21. Jahrhunderts vereinen diese Geschichten eine Mischung aus Komik und Grauen, die einfach zu köstlich ist. Die Schreibweise von E.A. Poe ist vielleicht nicht für jeden etwas, da er oft sehr weitschweifig erzählt und Schauplätze, Personen und deren Aussehen sowie Ereignisse sehr detailliert beschreibt. Doch das ist kein Nachteil für die unheimlichen Geschichten. Denn diese Erzählweise unterstützt meiner Meinung nach– neben der Ich-Perspektive, aus der jede Geschichte erzählt wird – das erzählte Grauen, lässt es so echt und glaubhaft wirken und malt dem Leser gar schauerliche Bilder in den Kopf:

„Doch er, der Maler, berauschte sich an seinem Werke, das von Stund‘ zu Stunde und von Tag zu Tage seinen Fortgang nahm. Und er war ein leidenschaftlicher und wilder und mürrisch-launenhafter Mann, der sich in Träumereien ganz verlor; so daß er nicht sehen wollte, wie das Licht, das da so geisterhaft in jenen abgelegnen Turm hinabfiel, Gesundheit und die Lebensgeister seiner jungen Frau verwelken ließ, die – allen außer ihm ersichtlich – dahinschwand.“

E.A. Poe – Unheimliche Geschichten: Das ovale Porträt, S. 116

 

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aus: E.A. Poe – Unheimliche Geschichten; Illustriert von Benjamin Lacombe

 

Für ein bisschen schauerlich-schönes Gruseln zwischendurch ist dieses Buch also mehr als geeignet – und wenn man am Ende nur die Zeichnungen bewundert, es lohnt sich allemal.

Welche Bücher lest ihr am liebsten, wenn ihr euch so richtig gruseln wollt? Gibt es für euch das perfekte ‘Halloween-Buch’?

Liebste Grüße & Happy Halloween!

Ida


Autor:   Edgar Allen Poe
Titel:     Unheimliche Geschichten.
Zusatz:  Schmuckausgabe mit Illustrationen von Benjamin Lacombe
Verlag:  Verlagshaus Jacoby & Stuart
Jahr der Veröffentlichung: 2013
Seiten:   184


 

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8 thoughts on “Halloween-Special: E.A. Poe – Unheimliche Geschichten (Schmuckausgabe)

  1. Hallo Ida!
    Hach… Ich folge deinem Blog ja nun noch wirklich nicht lange, aber du hast mich jetzt schon gefühlt hundertmal angefixt, ein Buch zu kaufen! Danke dafür! Durch dich entdecke ich so viele unbekannte Schätze!😍

    Früher (also wirklich FRÜHER) habe ich ab und an zu einem Buch der Reihe “Fear Street” gegriffen, da hat’s mich meistens ziemlich gegruselt. 😉
    Dann gab’s da noch so einen Thriller aus dieser Arena-Thriller-Reihe, bei dem ich mich mehr gefürchtet habe als je zuvor… Und tatsächlich war da auch mal ein kleines Büchlein mit Kurzgeschichten von Edgar Allen Poe! Die waren nicht nur ziemlich verstörend sondern auch echt verflixt gruselig!
    Ich könnte also definitiv mal wieder eine Portion Grauen&Grusel vertragen! 😉

    Liebste Grüße und ein schönes Wochenende!

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    1. Hallo liebe Lea-Sophie!

      Aaah das freut mich so, dass ich deine Wunschliste so skandalös erweitern kann 😀
      Es gibt aber auch so viele schöne Bücher, die oft unentdeckt bleiben. Ich hoffe ich kann meinen Beitrag dazu leisten, dass es mehr unbekannte Bücher in die Regale anderer Leser schaffen 😀

      Ohja, die Fear Street Reihe! Man, was hab ich diese Bücher verschlungen. Wenn man das Taschengeld knapp war, bin ich zur Bibliothek gerannt und habe den kompletten Fear Street- Bestand ausgeliehen. Das war super 😀

      Liebste Grüße und ein wunderschönes (vielleicht lesegruseliges?) Wochenende!
      Ida ❤

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