Fantasy / Fiktion · Idas Regal der ausgelesenen Bücher

Rezension mal anders: Plädoyer für das Zamonien-Lexikon (Moers, Dollinger 2012)

Wie knolft man mit den Zähnen? Wie funktioniert eine Teufelszyklopenzunge? Wie heißt die Zahl, die festlegt, wie viele Druidenseelen durch ein Schlüsselloch passen? (…) „Das sind Fragen, die jeden bewegen!“, sagte mein Verleger. „Wir müssen unbedingt den Regenwald zerstören und das Weltklima aus dem Gleichgewicht kippen, um ein Buch mit Antworten darauf unter die Leute zu bringen! Die Menschheit hat einen Anspruch auf ein Lexikon, in dem nachgewiesen wird, dass Schrecksen drei Nasenlöcher haben können.“

aus: Walter Moers, Anja Dollinger: ‘Zamonien. Entdeckungsreise durch einen phantastischen Kontinenten’, Vorwort für einen Kontinenten, S. 7

Habt ihr schon einmal ein Buch zur Hand genommen, es aufgeschlagen und einfach nur darin geschmökert? Wahllos durch die Seiten blättern, mal hier, mal dort einen Artikel lesen, Illustrationen bewundern, vor und zurück blättern, Querverweisen folgen und im Register stöbern – all das und noch viel mehr ist möglich mit den Zamonien-Lexikon, das von Anja Dollinger und Walter Moers bereits 2012 auf den Markt gebracht wurde.

Ein Lexikon für Zamonien-Abenteurer

Ich habe dieses Lexikon schon eine Weile beäugt, aber als es dann endlich um die Hälfte reduziert war, konnte ich nicht länger wiederstehen und habe es meiner Zamoniensammlung hinzugefügt. Auf GoodReads, der Plattform, auf der man gelesene Bücher bewerten und nach neuem Lesestoff suchen kann, hatte ich vorher einige Rezensionen gelesen und war überrascht, dass sie sehr viel negativer ausfielen, als ich es von einem Moers-Buch erwartet hätte. Die meisten negativen Meinungen klangen ungefähr so: „Wer erwartet, Neues von Moers‘ Zamonien zu erfahren, der wird enttäuscht“, „Es ist nur zum Auffrischen von Zamonien-Wissen gut, aber nicht zum Durchlesen geeignet.“

Ich habe meine eigene Meinung dazu, also spanne ich euch nicht weiter auf die Folter.
Wenn man sich dieses Buch zulegt, sollte man sich darüber bewusst sein, dass es ein Lexikon ist. Was bedeutet das für den modernen Leser des 21. Jahrhunderts? Es ist, wie Anja Dollinger in der Gebrauchsanweisung vor den eigentlichen Lexikoneinträgen schreibt, eine lexikalische Entdeckungsreise, und „umfasst das gesamte Spektrum an Daseinsformen, Persönlichkeiten, Flora, Fauna und Sachgebieten, die den besonderen Charakter Zamoniens ausmachen.“

Wozu benutzt man ein Lexikon? Genau – um Begriffe nachzuschlagen, deren Definition und Bedeutung gerne erklärt bekommen würde oder um interessante Fakten dazuzulernen. Und genau dafür ist dieses Buch gemacht. Wer gerne Lexika von vorne bis hinten durchliest, der wird auch dieses Buch von vorne bis hinten durchlesen. Doch in der Regel sind Lexika dazu da, dem Leser bei der Klärung von Begrifflichkeiten zu helfen, nach denen der Leser explizit sucht. Wenn ihr also ein Moers-Buch lest und euch fragt: „Warum sind Nurnen so gefürchtet?“, dann könnt ihr dieser Frage mithilfe des Zamonien-Lexikons auf den Grund gehen.

Fazit

Ich finde es großartig, dass es ein solches Lexikon gibt, und man merkt, wieviel Herzblut in den einzelnen Artikeln und Illustrationen steckt. Ich habe euch zum Abschluss dieser Rezension drei Artikel herausgesucht, die mir beim Schmökern besonders ins Auge gefallen sind. Falls ihr überlegt, euch dieses Lexikon zuzulegen, macht euch auf den Weg in eure liebste Buchhandlung und macht euch beim Schmökern in den folgenden Seiten selbst ein Bild davon!

Eintrag zu den Buchlingen (S. 41-48)
→ Hier findet man alles Wissenswerte zu den unterirdisch lebenden Geschöpfen, mitsamt einer Illustration der bekanntesten Buchlinge, einem Auszug aus ihren typischen Gesängen und einer Schematischen Darstellung der Augenfunktion (mit Querschnitt, hat mich ein bisschen an Benjamin Lacombes „Das Elfenbestimmungsbuch erinnert). 

Eintrag zur zamonischen Farblehre (S. 83-84)
→ Schon im Zamonien-Auftakt „Die 13 ½ Leben des Käpt’n Blaubär“ war ich mehr als amüsiert von den vielen verschiedenen Fellfarben der Buntbären. In diesem Artikel liest man dann sowohl von Farben wie Chromorange, Meerschaum oder Hutzengelb, aber auch die etwas Spezielleren sind vertreten, wie z.B. Nachtigallerschwarz, Haluhazinth oder den Farben der Bildung: das Karmin der zamonischen Grammatik oder das Intelligent der Farbe des Wissens.

Eintrag zu den Katakomben von Buchhaim (S. 136-140)
→ Auf der Reise durch die „Stadt der Träumenden Bücher“ haben wir Leser uns mit Mythenmetz durch die Katakomben von Buchhaim geschlagen – in diesem Artikel erfährt man alles über die Katakomben, über besondere Orte darin und legendäre und reale Gefahren, denen Mythenmetz ausgeliefert war.

 


Autor:   Walter Moers, Anja Dollinger
Titel:     Zamonien. Entdeckungsreise durch einen phantastischen Kontinent. Von A wie Anagrom Ataf bis Z wie Zamonien
Verlag:  Knaus Verlag
Jahr der Veröffentlichung: 2012
Seiten:   312


 

2 thoughts on “Rezension mal anders: Plädoyer für das Zamonien-Lexikon (Moers, Dollinger 2012)

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