Idas Regal der ausgelesenen Bücher · Kurzgeschichten

Siegfried Lenz: So zärtlich war Suleyken (1955)

Aber wir wollen, um Himmels willen, nicht immer von Tragik reden. Zumal über die Geschichte, wie über den Damm der Kleinbahn, schon das gewachsen ist, was gegebenenfalls alles zudeckt: nämlich das wispernde Gras Suleykens.                  – S. 74

Es ist schon eine Weile her, seit ich etwas von Siegfried Lenz gelesen habe. Dieses kleine, dünne Büchlein habe ich mir vor einer Weile gebraucht gekauft und auf meinem TBR-Stapel untergebracht, wo es bis vor kurzem unermüdlich Wollmäuse ansammelte. Vielleicht kennt es der eine oder andere Leser: Man fährt zur Uni, Arbeit oder Schule und hat ausnahmsweise mal keinen Platz für einen dicken Wälzer – also muss etwas Platzsparendes her! So kam es also dazu, dass ich endlich Gelegenheit dazu hatte, mir die zwanzig zärtlich geschriebenen masurischen Erzählungen zu Gemüte zu führen. Lenz sagt selbst über diese kleine Geschichtensammlung:

„Die hier vorliegenden Geschichten und Skizzen sind gleichsam kleine Erkundungen der masurischen Seele. Sie stellen keinen schwermütigen Sehnsuchtsgesang dar, im Gegenteil: diese Geschichten sind zwinkernde Liebeserklärungen an mein Land, eine aufgeräumte Huldigung an die Leute von Masuren. Selbstverständlich enthalten sie kein verbindliches Urteil – es ist mein Masuren, mein Dorf Suleyken, das ich hier beschrieben habe.“                                                                                     – S. 117

Und hier verspricht der Titel nicht zu viel: die Erzähl- und Schreibweise von Lenz ist tatsächlich – und man kann es wirklich nicht anders ausdrücken – zärtlich. Ich bin, was das angeht, sehr empfänglich und freue mich immer wieder über neue Arten des Geschichtenerzählens, des Formulierens und Sich-Ausdrückens des Autors. Die Art und Weise wie Lenz diese ulkigen und einzigartigen Geschichten erzählt, hat mich stellenweise sehr an die von Erich Kästner erinnert, der ebenfalls eine sehr angenehme Art hatte zu schreiben (siehe beispielsweise „Als ich ein kleiner Junge war“, „Emil und die Detektive“ oder „Das fliegende Klassenzimmer“, letzteres befindet sich zu meiner Schande auch noch auf meinem TBR-Stapel). Man fühlt sich direkt an die Hand genommen und – zärtlich – durch die Erzählung geführt.

Meine liebste Erzählung aus der Sammlung ist wohl „Die Zwanzigste der Masurischen Geschichten: Die Verfolgungsjagd“. Ich habe Tränen gelacht, es war einfach nur wundervoll. Ich will nicht zu viel verraten oder vorwegnehmen, also lasst mich euch dieses Kleinod ans Herz legen. Ich empfehle dieses Buch nicht nur denjenigen Leseratten, die begeisterte Siegfried-Lenz-Leser sind, sondern auch solchen, die sich vielleicht mal an etwas Altes, aber auch irgendwie Neues wagen möchten. Ich muss sagen, ich wäre zwischendurch gerne in dieses Buch hineingestiegen, um hautnah dabei zu sein, wenn die Bewohner Suleykens ihrem Tagwerk nachgehen. Aber irgendwie… war ich sehr wohl dabei, durch Lenz und seine wohlüberlegten, liebevoll erzählten Anekdoten.


Autor:   Siegfried Lenz
Titel:     So zärtlich war Suleyken. Masurische Geschichten
Verlag:  Fischer Taschenbuch Verlag 
Jahr der Veröffentlichung: 1955
Seiten:   118


 

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