Graphic Novel · Idas Regal der ausgelesenen Bücher

Rezension | Benjamin Lacombe / Sébastien Perez: Das Elfenbestimmungsbuch (2012)

“Muss man etwas zerbrechen, um zu erfahren, was es ist? Habe ich den Weg der wissenschaftlichen Vernunft schon verlassen?”

Die Geschichte, in die uns dieses unglaublich schöne Buch entführt, ist die des Wissenschaftlers Alexander Bogdanowitsch, der seine Frau Irina und Tochter Nina im Jahre 1914 in Russland zurücklässt, um seinen Forschungen für Rasputin, dem Vorsitzenden der geheimen Kammer okkulter Wissenschaften, in den Wäldern der Bretagne nachzugehen. Hier entdeckt er bald, dass die Pflanzen des Waldes von Brocéliande in einmaliger Symbiose mit Elfenwesen zusammenleben. Zunächst seziert er diese Wesen, um ihre Funktionen und Wirkungsweisen zu studieren – doch bald empfindet er dies als moralisch verwerflich. Diese Elfenwesen faszinieren und berühren ihn, je mehr er sich mit ihnen beschäftigt, und mit ihm dringt der Leser immer tiefer ein in die magische Welt der Elfen, lernt die kleinen Wesen kennen und lieben.

Aufwändig gestaltet und liebevoll ausgearbeitet, gehört dieses Buch zu meinen liebsten Bücherschätzen. Farbenprächtige und liebevolle Illustrationen, zarteste Pergamentseiten und eingebaute Scherenschnitte in Form von Ranken, die die Lebewesen vor dem Auge des Lesers zu verhüllen suchen, erwecken diese Geschichte von Benjamin Lacombe und Sébastien Perez zum Leben. Es besteht aus Briefwechseln zwischen dem Forscher und seiner Familie, und zwischen ihm und einem machtgierigen Handlanger Rasputins, aus Forschungsberichten, vergilbten Zeitungsartikeln und detaillierten wissenschaftlichen Zeichnungen. Die Kategorisierung der Elfen stellt die Illustration dieser Lebewesen in den Mittelpunkt und erzählt von ihren Eigenheiten und bemerkenswerten Fähigkeiten. So illustriert Lacombe unter anderem den unverkennbaren Flug der Diantha – einer Elfe, die in Symbiose mit der Bartnelke lebt – und den Tanz der Hellebora, mit dem die in Symbiose mit der Grünen Nieswurz lebenden Elfe Empfindungen und Konzepte (beispielsweise Liebe, Trauer, Freundschaft, Verschwinden, … ) ausdrückt.

Es ist ein einmaliges Bilderbuch, und meiner Meinung nach nicht nur ein „Kinderbuch, da bebildert“. Lassen wir uns nicht die Freude an etwas nehmen, nur weil es von bestimmten Menschen in bestimmte Kategorien und Schubladen gepackt wird. „Das Elfenbestimmungsbuch“ ist zeitlos schön und zieht sowohl Jung als auch Alt in seinen Bann. Dieses Buch wirkt für mich wie ein kurzweiliger Abstecher in eine andere Welt, macht neugierig auf die Natur vor unserer Haustür und hat mir gezeigt, dass hinter vielem in unserer alltäglichen Welt die schönsten Wunder verborgen liegen, auch wenn unser Auge sie nicht sieht.


Autor:   Benjamin Lacombe / Sébastien Perez
Titel:     Das Elfen-Bestimmungsbuch
Verlag:  Verlagshaus Jacoby Stuart
Jahr der Veröffentlichung: 2012
Seiten:   64


 

2 thoughts on “Rezension | Benjamin Lacombe / Sébastien Perez: Das Elfenbestimmungsbuch (2012)

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